Bioökonomie in NRW

NRW strebt Spitzenposition bei Bioökonomie an

Das Industrieland Nordrhein-Westfalen will zu einem führenden europäischen Standort für Bioökonomie werden. Um das ehrgeizige Ziel zu erreichen, hat die Landesregierung Eckpunkte entwickelt, die den Bereich der Bioökonomie voranbringen sollen. Zentrale Punkte sind dabei neben einer ressortübergreifenden Vernetzung und Abstimmung der Maßnahmen sowie einer intensiven Einbeziehung der Geistes- und Gesellschaftswissenschaften bei der Entwicklung von Lösungsansätzen insbesondere die Entwicklung "guter Standards" für Bioökonomie.

Erweiterter Bioökonomiebegriff

Nordrhein-Westfalen erweitert als erste Region in Europa den Bioökonomiebegriff um den Gesundheitssektor. Normalerweise berücksichtigt dieser nur Produktion und Industrie. Dieses im Vergleich zur EU und der deutschen Bundesregierung erweiterte Verständnis deckt sich mit der Definition der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Die EU-Kommission hat alle europäischen Regionen aufgefordert, regionale Strategien zur Bioökonomie zu entwickeln. Gleichzeitig soll die Bioökonomie laut EU-Kommission ein wichtiges Themenfeld zukünftiger Fördermaßnahmen sein.

Drei Schwerpunktthemen, an denen in NRW geforscht wird:

  • Biopolymere/funktionalisierte Oberflächen und Materialien: So untersucht zum Beispiel die Universität Münster die Verwendungsmöglichkeit von Löwenzahn für die Kautschukproduktion. Bisher wurde in der Polymerchemie vor allem mit fossilen Rohstoffen gearbeitet.
  • Bioraffinerien: Das Oberhausener Fraunhofer-Institut Umsicht erforscht den Einsatz von Grünschnitt und Lebensmittelresten. Das Forschungszentrum Jülich arbeitet an der Nutzung von Mikroalgen bei der Herstellung von Kerosin.
  • Biopharmazeutika: Diagnostika und Medizintechnik. In Deutschland werden bereits 17 Prozent des gesamten Pharmamarktes allein durch den Umsatz mit Biopharmazeutika erzielt – Tendenz steigend. In NRW wird zum Beispiel an innovativen Zelltherapien für die Bekämpfung von Krebserkrankungen gearbeitet.

Wissenschaftliche Grundlagen zur Bioökonomie werden interdisziplinär bereits im Bioeconomy Science Center (BioSC) gebündelt, das in den nächsten zehn Jahren durch das Land projektbezogen mit rund 58 Millionen Euro gefördert wird.