Forschung am Fortschrittskolleg "Energieeffizienz im Quartier"

In der Stadtentwicklung energieeffiziente Wege gehen

Eva Frensemeier im Ruhrgebiet.
Eva Frensemeier will herausfinden, wie Energieeffizienz in der Stadtentwicklung umgesetzt wird. (Bild: Ministerium für Kultur und Wissenschaft)

Das Ruhrgebiet verändert sich. Das ist auch in Dinslaken nicht zu übersehen. Am nördlichen Rand der 70.000-Einwohner-Kommune liegt die ehemalige Bergbausiedlung Lohberg. Seit 2005 steht die Zeche still und die Stadt muss neue Wege gehen. Wo früher in Spitzenjahren bis zu drei Millionen Tonnen Kohle gefördert wurden, soll nun das größte CO2-neutrale Wohngebiet Deutschlands entstehen. Ein Mix aus regenerativen Energien wie Photovoltaik, Solarthermie, Geothermie und Windkraft wird das Kreativ.Quartier Lohberg künftig versorgen. Stadtentwicklung und Klimaschutz gehen neue Verbindungen ein.

Die Stadt Dinslaken plant, hier Kultur, Freizeit, Arbeit und Wohnen zu vereinen. Ein Teil des Areals auf dem leicht mehrere hundert Fußballfelder Platz finden würden, hat sich bereits in einen Park verwandelt. Der gut 70 Meter hohe Förderturm erinnert noch an die ursprüngliche Nutzung. In den leerstehenden Hallen finden heute schon Kulturveranstaltungen statt.

Eva Frensemeier will im Rahmen ihrer Doktorarbeit herausfinden, wie Städte und Gemeinden bei ihren Stadtentwicklungsprojekten vorgehen und wie Fördermittel eingesetzt werden. Wie wirken sich die Förderprogramme von Bund, Ländern und EU zur Steigerung der Energieeffizienz auf die Umsetzung von Stadtentwicklungsprojekten aus? Diese Frage möchte die Doktorandin am Beispiel von zwei energetischen Großprojekten im Ruhrgebiet beantworten. Zum einen ist es die InnovationCity Ruhr in Bottrop und zum anderen das bereits erwähnte Kreativ.Quartier Lohberg in Dinslaken.

Die 28-Jährige hat an der TU Dortmund Raumplanung studiert. Jetzt promoviert sie im NRW-Fortschrittskolleg „Energieeffizienz im Quartier – Clever versorgen.umbauen.aktivieren“, das gemeinsam von der TU Dortmund, der Universität Duisburg-Essen, der Universität Bochum, der Hochschule Bochum sowie dem Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie organisiert wird. Die Wirtschaftsförderung metropoleruhr und Partner des Regionalen Innovationsnetzwerks Energieeffizienz Ruhr unterstützen die Kollegiatinnen und Kollegiaten dabei, Kontakte zu Akteuren aus der Praxis aufzubauen.

Ganze Stadtviertel sollen energieeffizient werden

Energieeffizienz zu steigern meint bislang vor allem, einzelne Gebäude mit der entsprechenden Technologie auszurüsten. Die Doktorandinnen und Doktoranden im Fortschrittskolleg haben aber Größeres im Sinn. Sie beschäftigen sich mit Konzepten, die wie in Dinslaken ganze Stadtviertel betreffen.

Im Fortschrittskolleg trifft Eva Frensemeier auf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler anderer Disziplinen. Junge Forscherinnen und Forscher aus den Ingenieurs-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften, der Soziologie, Architektur und Raumplanung arbeiten gemeinsam. Das Kolleg bietet die Plattform, voneinander und miteinander zu lernen. So nutzen einige Promovierende beispielsweise Methoden, die normalerweise nicht in ihrer Disziplin verwendet werden. 

Für Eva Frensemeier stehen als nächstes Interviews mit wichtigen Akteuren aus der Praxis an, mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtverwaltung, mit Investoren und Architekturbüros. Die Kollegiatin will mehr über Prozessabläufe und Entscheidungswege erfahren. Ihre Kernfrage lautet dabei: Fördern die Themen Energieeffizienz und Quartier, die in den vergangenen Jahren gesellschaftlich einen besonderen Stellenwert erlangt haben und folglich durch Förderprogramme vorangetrieben werden, eine insgesamt nachhaltige Stadtentwicklung?