Forschung am Fortschrittskolleg "Online-Partizipation"

Promovierende wollen Software für effizientere Bürgerbeteiligung entwickeln

Matthias Liebeck und Katharina Esau stehen vor der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf.
Matthias Liebeck und Katharina Esau untersuchen, wie Software die Bürgerbeteiligung erhöhen kann. (Bild: Ministerium für Kultur und Wissenschaft / Jan Schürmann)

Sie ist studierte Kommunikationswissenschaftlerin, er hat einen Abschluss in Informatik und in Mathematik. Ohne das Fortschrittskolleg "Online-Partizipation" hätten sich Katharina Esau und Matthias Liebeck vermutlich nicht kennengelernt. Beide promovieren zwar an der Heinrich-Heine-Universität, aber in unterschiedlichen Wissenschaften. Jetzt arbeiten sie an einem gemeinsamen Forschungsprojekt.

Seit Oktober 2014 gibt es das Fortschrittskolleg, das von der Uni Düsseldorf und der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung organisiert wird. Zwölf Doktorandinnen und Doktoranden aus den Bereichen BWL, Informatik, Jura, Kommunikations- und Medienwissenschaft, Politikwissenschaft und Soziologie untersuchen die Möglichkeiten des Internets bei der Bürgerbeteiligung.   

Denn regelmäßige Wahlen reichen den Bürgerinnen und Bürgern gerade im kommunalen Bereich oft nicht mehr aus. Sie wollen an wichtigen politischen Entscheidungen direkt beteiligt werden und frühzeitig mitdiskutieren. Das hat nicht zuletzt der Konflikt um das Bahnprojekt Stuttgart 21 gezeigt. 

Online-Partizipation soll erleichtert werden

Das Internet bietet hier viele Möglichkeiten, die bislang nur sporadisch eingesetzt werden. Online-Partizipationsverfahren sind zeitaufwendig. Die Ergebnisse nicht immer leicht nutzbar. Das wollen Katharina Esau und Matthias Liebeck ändern. "Jeder, der von einer Entscheidung betroffen ist, soll die Möglichkeit haben, sich einzubringen", formulieren sie ihr Ziel. Damit der Bürger-Dialog via Internet künftig einfacher und effizienter wird, untersuchen sie, inwiefern Computersysteme den Menschen bei der Analyse und Auswertung solcher Verfahren unterstützen können.

Eine Software, die Beiträge liest und erkennt, was die oder der Schreibende will? Ist so etwas überhaupt möglich? Im Rahmen seines Masterstudiums hat Matthias Liebeck ein Programm geschrieben, das Kundenrezensionen des Online-Versandhändlers Amazon auswertet. "Ich wollte wissen, ob ich einen Fernseher kaufen soll, ohne vorher alle Bewertungen lesen zu müssen", sagt der 26-jährige Informatiker. 

Letztlich soll die Maschine den Menschen aber keineswegs ersetzen, sondern unterstützen. Das ist den Promovierenden wichtig. Die Software könnte die Beiträge vorsortieren, erste Strukturen erkennen und der auswertenden Person so freie Kapazitäten für eine tiefergehende Analyse verschaffen. „Dafür muss der Computer aber erst lernen, was Menschen unter einem Argument und einer Begründung verstehen, das müssen wir dem System beibringen“, sagt Katharina Esau. 

Um ihre Idee an der Wirklichkeit zu prüfen, haben sich die beiden ein aktuelles Beispiel ausgesucht, ein Beteiligungsverfahren in Berlin. "Wir schauen uns an, was die Bürgerinnen und Bürger online schreiben, wie sie argumentieren und ob es dabei bestimmte Muster gibt, die dem Computer helfen können die Argumente besser zu erkennen", sagt die 28-Jährige.

Katharina Esau und Matthias Liebeck arbeiten eng mit Kommunen und Anbietern von Online-Partizipationslösungen zusammen. Sie besuchen die Akteure vor Ort, nehmen an Veranstaltungen teil und wollen so erfahren, wo in der Praxis tatsächlich der Schuh drückt, welche Herausforderungen und offenen Fragen es gibt. "Wir wollen nicht nur herausfinden, was machbar ist, sondern vor allem auch, was sinnvoll ist", sagt die Kommunikationswissenschaftlerin.