Interview mit Dennis Jansen

"Vielen Bildungsaufsteigern fehlt der Rückhalt"

Das Bild zeigt Dennis Jansen, der sich in verschiedenen Programmen für Bildungsaufsteiger engagiert.
Dennis Jansen engagiert sich im Programm "Studienpioniere" des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft für Bildungsaufsteiger. (Foto: Guido Schiefer)

Dennis Jansen wurde in seinem Bachelor-Studium an der Universität Duisburg-Essen (UDE) durch Chance hoch 2 gefördert - ein Programm, das Jugendliche aus Nichtakademikerfamilien vor und während ihres Studiums unterstützt. Heute engagiert er sich selbst für Bildungsaufsteiger: unter anderem im Programm "Studienpioniere" des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft und im Diversity-Audit der UDE.

Warum hat Chance hoch 2 Sie gefördert?

Dennis Jansen: Chance hoch 2 ist keine Eliten-Förderung, sondern unterstützt junge Leute, die trotz schlechter Voraussetzungen gute Leistungen erbringen. Mein Bildungsweg von der Schule bis ins Studium war sehr geradlinig: Nach Abitur und Wehrdienst studierte ich Nano Engineering an der UDE. Seit 2013 studiere ich Nano-Optoelektronik im Master. Dass das nicht selbstverständlich ist, habe ich erst im Vorstellungsgespräch für das Stipendium gemerkt. Meine Eltern haben nicht studiert und waren immer wieder arbeitslos. Schon während meiner Schulzeit musste ich im Gegensatz zu meinen Mitschülerinnen und-schülern arbeiten. Mein Abitur habe ich trotz allem mit 1,1 abgeschlossen. Um mein Studium zu finanzieren, bewarb ich mich bei Chance hoch 2.

Welche Probleme haben Jugendliche aus bildungsfernen Familien, wenn Sie ein Studium aufnehmen?

Dennis Jansen: Ihnen fehlt oft der Rückhalt aus dem näheren Umfeld. Bildungsaufsteiger haben zwar das Zeug zum Studieren, aber ihre Eltern raten ihnen oft davon ab, weil sie selbst eine Ausbildung absolviert haben und die Hochschulwelt nicht kennen. Bei mir war das anders: Meine Eltern haben mich schon früh zum Studium motiviert. Mit einem Einser-Abitur hatte ich auch das nötige Selbstbewusstsein, diesen Weg zu wählen.

Was raten Sie jungen Leuten aus Nichtakademiker-Familien, die sich nicht sicher sind, ob ein Studium das Richtige für sie ist?

Dennis Jansen: Sie sollten es auf jeden Fall versuchen - und vor allem das studieren, was sie wirklich interessiert. Sonst sind sie nur halbherzig dabei. Durch BAföG, das man erst fünf Jahre nach Abschluss des Studiums zinslos zurückzahlt, ist die Finanzierung möglich. Auch von der Regelstudienzeit sollte man sich nicht unter Druck setzen lassen: Für viele Studiengänge sind diese Angaben unrealistisch.

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