Förderung der Freien Darstellenden Künste in Nordrhein Westfalen

Neukonzeption und Aufstockung der Förderbereiche

Nordrhein-Westfalen ist ein bedeutender Produktionsstandort für freischaffende Künstlerinnen, Künstler und Ensembles. Das Land spielt seit den 70er- und 80er-Jahren eine bundesweite Vorreiterrolle. Die "Freie Szene" hat sich zu einem nicht mehr wegzudenkenden Bestandteil der Theaterlandschaft und der kritischen Öffentlichkeit entwickelt. Ab 2018 stärkt die Landesregierung die freien Produktionsstätten, Ensembles, Festival und sonstige interdisziplinäre Aktivitäten mit zusätzlichen 4,5 Mio. €.

In Nordrhein-Westfalen ging eine lebhafte künstlerische Entwicklung von Kollektiven der Off-Szene, ihren Spielstätten in umgenutzten Industriearealen, ihren Festivals und von ihren Netzwerken aus. Subkultur, Soziokultur und Off-Künstlerinnen und -Künstler erkannten die enormen Möglichkeiten von leerstehenden Produktionsstätten und die potenziellen Freiräume denkmalgeschützter Industriehallen. Dabei ist die Freie Szene grundsätzlich interdisziplinär ausgerichtet, lokal tief verwurzelt sowie überregional und international gut vernetzt.

Die neue Konzeption der Förderung freier Theater in Nordrhein-Westfalen zielt insbesondere auf eine künstlerische Stärkung der Freien Szene, ihrer Ensembles und Produktionshäuser sowie auf die Steigerung ihrer regionalen und internationalen Bedeutung ab. Bestehende Förderbereiche und Investitionen im Bereich der Freien Darstellenden Kunst werden neu strukturiert und sinnvoll ergänzt.

Die Selbstorganisation und Selbstbestimmung der Freien Darstellenden Künste wird gestärkt. Die neue Förderstruktur bietet insbesondere eine erhöhte Planungssicherheit und soll somit neue, zukunftsweisende Ideen und Entwicklungen ermöglichen. Zudem wird die Herausbildung von Exzellenz gefördert.

Mehr Transparenz bei weniger Bürokratie in den Förderverfahren ist dabei ebenso Ziel wie die verbesserte soziale Lage der Künstlerinnen und Künstler, auf deren Leistung und Kreativpotential die herausragende Szene in NRW fußt. Die Einhaltung der Honorarempfehlungen des Bundesverbands Freier Theater wird dabei umgesetzt.

Pressemitteilung dazu vom 07.06.2018

Stärkung der künstlerischen Arbeit und Planungssicherheit

Bereits in diesem Jahr geht rund eine Million Euro mehr an die Freie Szene. Neben der Erhöhung der institutionellen Förderung und der Festivalförderung wird im Zuge der Neustrukturierung u.a. die Anzahl der Positionen in der Spitzenförderung verdoppelt und ein neues Fördermodul für exzellente Ensembles eingeführt.

Pressemitteilung dazu vom 25.06.2018

Im Mittelpunkt stehen die professionellen freien Theater- und Tanzensembles mit oder ohne Haus, Einzelkünstlerinnen und -künstler, Festivals, Netzwerke und auch immer wieder neuartige Formate. Diese umfassen die Sparten Tanz und Theater – inklusive Musiktheatern, Schauspiel, Performance, Figurenspiel und Kinder- und Jugendtheatern. Durch die konzeptionelle Überarbeitung der bestehenden Förderstruktur werden Arbeitssituation und Förderung seit sieben Jahren erstmals deutlich verbessert. Es geht dabei einerseits um eine Stärkung der Basis und der künstlerischen Strahlkraft berstender Initiativen. Andererseits wird durch eine Reihe differenzierter und gezielter Fördermaßnahmen die Gesamtstruktur an die aktuellen Bedingungen zeitgenössischer Kunstproduktion angepasst und verbessert.

Schon 2018 wird die jährliche Landesförderung für die Freien Darstellenden Künste, die derzeit bei acht Millionen Euro liegt, um eine Million Euro aufgestockt. 2019 und 2020 erfolgt ein weiterer Aufwuchs um 1,5 bzw. zwei Millionen Euro, sodass die Landesförderung bereits bis 2020 auf insgesamt rund 12,5 Millionen Euro steigt.

Bereitgestellt werden die zusätzlichen Landesmittel zum einen in Form der institutionellen Förderung sowie der Festivalförderung, die sich pauschal in der Regel um 33 Prozent erhöhen. Damit stehen zukünftig 1,9 Mio. € mehr und somit insgesamt 7,4 Mio. € in diesem Bereich zur Verfügung. Rund 50 Theater- und Tanzensembles, Einzelkünstlerinnen und -künstler, Festivals, Netzwerke und andere Formate im ganzen Land profitieren von dieser Erhöhung. Zum anderen wird die Ensembleförderung gestärkt, die von nun an in den vier Modulen Projekt-, Konzeptions-, Spitzen- und Exzellenzförderung erfolgt.

Alle vier Module der Projektförderung werden über Fachjurys in Zusammenarbeit des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft mit den fünf Bezirksregierungen und den NRW Landesbüros Freie Darstellende Künste und Tanz entschieden.

Detaillierte Kriterien und Bewerbungsfristen werden zeitnah auf unserer Website sowie auf den Websites der Landesbüros veröffentlicht:
NRW Landesbüros Freie Darstellende Künste, Dortmund: www.nrw-lfdk.de
NTW Landebüro Tanz, Köln: www.landesbuerotanz.de

Arbeitsbereiche der Förderung

Nachfolgend finden Sie mehr Informationen zu den einzelnen Förderbereichen des Gesamtkonzeptes:

Institutionelle Förderung

Die Förderung wird für alle institutionell geförderten Produktionsstätten und Ensembles um mindestens 33 Prozent erhöht. Mit einer herausragenden Freien Szene ist Nordrhein-Westfalen ein starker Standort für künstlerische Experimente. Im Bereich der Freien Darstellenden Künste hat das Land dank der Vielzahl und hohen Qualität der Produktionshäuser, Ensembles, Netzwerke und Festivals bundesweit eine Vorreiterposition inne. Diese werden ab 2018 deutlich gestärkt. Mehr

Festivals

Auch die Förderung für langjährig vom Land geförderte freie Festivals wird um mindestens 33 Prozent erhöht. Dazu zählen u.a. das Impulse Theater Festival, das bemerkenswerte Produktionen der freien Theaterszene aus Deutschland, Österreich und der Schweiz präsentiert. Das Festival FAVORITEN ist das traditionsreiche Theaterfestival der frei produzierenden darstellenden Künste in NRW, das biennal vom NRW Landesbüro Freie Darstellende Künste e. V. in Kooperation mit der Stadt Dortmund ausgerichtet wird. Die Internationale Tanzmesse, das Figurentheaterfestival Fidena, das inklusive Festival Sommerblut, die Biennale tanz nrw aktuell und viele weitere bilden die enorme Vielfalt experimenteller Formen ab. Mehr

Allgemeine Projektförderung

Die inhaltlich offene Allgemeine Projektförderung wird in Förderhöhe und Laufzeit auf 2 Mio. Euro ausgeweitet: Sie umfasst zwischen 5.000 und 40.000 Euro für 12 bis 24 Monate und ist für maximal 80 Projekte vorgesehen. Im Sinne einer Stärkung der Selbstorganisation wird der Bereich der Allgemeinen Projektförderung an das NRW Landesbüro Freie Darstellende Künste in Zusammenarbeit mit dem NRW Landesbüro Tanz delegiert. Kriterien und Bewerbungsfristen werden zeitnah auf unserer Website sowie auf den Websites der Landesbüros veröffentlicht.

NRW Landesbüros Freie Darstellende Künste, Dortmund: www.nrw-lfdk.de
NTW Landebüro Tanz, Köln: www.landesbuerotanz.de

Konzeptionsförderung

Neu ist die Konzeptionsförderung mit insgesamt 1,3 Mio. Euro pro Jahr, die eine Vergabe an maximal 35 kontinuierlich in NRW arbeitende Künstlerinnen, Künstler und Ensembles vorsieht. Ziel der Konzeptionsförderung ist eine verbesserte Planungssicherheit. Sie erfolgt daher über drei Jahre und umfasst zwischen 25.000 und 50.000 Euro pro Jahr.

Spitzenförderung


Die bereits existierende Spitzenförderung wird verdoppelt. Statt bislang zehn profitieren in Zukunft 20 Ensembles von der dreijährigen Förderung. Im Bereich Theater wird von derzeit vier auf acht und im Bereich Tanz von sechs auf acht Förderungen aufgestockt. Neu hinzukommen vier Förderungen im Bereich Kinder- und Jugendtheater. Die Fördersumme wird von 65.000 auf 80.000 Euro pro Jahr erhöht. Damit steigt die Spitzenförderung von derzeit 650.000 Euro um 950.000 Euro pro Jahr auf insgesamt 1,6 Mio. Euro Fördervolumen pro Jahr. Der Turnus der aktuellen Spitzenförderung Tanz läuft 2018 bis 2020, die Spitzenförderungen Theater sowie Kinder- und Jugendtheater werden im Herbst 2018 für den Zeitraum Juli 2019 bis Juni 2022 neu ausgeschrieben. Die Ausschreibung erfolgt über das Ministeriums für Kultur und Wissenschaft und die NRW Landesbüros Freie Darstellende Künste und Tanz.

Exzellenzförderung

Um Ensembles bei einer Entwicklung hin zur Exzellenz besser zu unterstützen gibt es zudem ein neues Exzellenzprogramm: Wenn ein Ensemble drei Mal erfolgreich die Spitzenförderung erhalten hat, steigt es künftig in die Exzellenzförderung auf. Diese umfasst 100.000 Euro pro Jahr und ist für drei Jahre angelegt. Aus der Sparte Tanz wechseln noch in diesem Jahr das Kölner Ensemble „Mouvoir“ von Stephanie Thiersch und die Düsseldorfer Kompanie um Ben J. Riepe in die neue Exzellenzförderung. Die Exzellenzförderung der Sparte Theater beginnt 2022.

Kooperationsprojekte

Kooperationsprojekte sowohl zwischen freien Ensembles und kommunalen Theatern als auch zwischen Stadttheatern und soziokulturellen Zentren werden unterstützt. Mehr

Honorarempfehlungen

Produktionen, die vom Land gefördert werden, sollen bei der Kostenkalkulation Förderempfehlungen in der Bemessung der Proben- und Aufführungshonorare sukzessive berücksichtigen. Als Referenzgröße können folgende Informationen dienen: