Drei Tänzer während einer Aufführung

Tanz in Nordrhein-Westfalen

Mit seinen vielen Tanztheatern gehört Nordrhein-Westfalen zu den Zentren der Tanzkultur in Deutschland. Tanz und Ballett haben hier eine besondere Tradition. Die Landesregierung unterstützt die Entwicklung hin zum „Tanzland NRW“.

Vielgestaltige Kunstform Tanzszene in Nordrhein-Westfalen

In Nordrhein-Westfalen wird sowohl der klassische als auch der zeitgenössische Tanz als Kunstform gepflegt und vorangebracht. An zehn Opernhäusern des Landes gibt es Ballett- und Tanzensembles. Das Ballett der Deutschen Oper am Rhein unter der Leitung von Martin Schläpfer und das Tanztheater Wuppertal mit seiner 2009 verstorbenen langjährigen Leiterin Pina Bausch gehören zu den wichtigsten und international bedeutendsten Tanzensembles.

Daneben gibt es eine experimentierfreudige freie Szene: Über hundert freie Ensembles, Choreografinnen und Choreografen arbeiten in Nordrhein-Westfalen, darunter VA Wölfls Neuer TanzRaimund Hoghe und Ben J. Riepe aus Düsseldorf, Stephanie Thiersch aus Köln, CocoonDance aus Bonn, Gudrun LangeRenegadebodytalk aus Münster/Bremen, das Folkwang Tanzstudio in Essen oder DIN A 13 aus Köln, eine Gruppe von gehandicapten und nicht gehandicapten Tänzerinnen und Tänzern.

Profilierung der Tanzszene Konzept der Landesregierung

Das Land hat ein Konzept entwickelt, um dem „Tanzland NRW“ einen nachhaltigen Impuls zur Profilierung der NRW-Tanzszene zu geben. Dieses Konzept umfasst ein Maßnahmenpaket, mit dem durch verbesserte Förderung und strukturelle Unterstützung eine erhebliche Steigerung in Qualität und Attraktivität der Tanzszene erreicht werden soll. Es enthält im Wesentlichen folgende Bausteine:

  • finanzielle Stärkung vorhandener Tanzzentren und Unterstützung weiterer „Mittelzentren“ für Tanz,
  • Spitzenförderung von vier Kompanien für drei Jahre,
  • Gründung von Beratungsbüro und Marketingagentur International Dance Artist Service (IDAS NRW), angesiedelt am tanzhaus nrw, und die
  • Einrichtung eines Förderbudgets speziell für internationalen Austausch.

Konzeptentwicklung Tanzzentren und Mittelzentren

Die Tanzzentren und Mittelzentren in Nordrhein-Westfalen sind Orte, die mit einem eigenen Konzept die Entwicklung von Tanz im Land vorantreiben. Dazu werden in den verschiedenen Zentren unterschiedliche spezifische Projekte realisiert, die von der Landesregierung gefördert werden. Die Städte Essen mit PACT Zollverein und Düsseldorf mit dem tanzhaus nrw gelten als Tanzzentren in Nordrhein-Westfalen. Bonn mit dem Theater in der Brotfabrik und dem Theater im Ballsaal, Mülheim an der Ruhr mit dem Ringlokschuppen und Krefeld mit der Fabrik Heeder sind die Mittelzentren für Tanz in Nordrhein-Westfalen.

Land Nordrhein-Westfalen Spitzenförderung für den Tanz

Sechs freie Tanzensembles aus Nordrhein-Westfalen sind in der Spitzenförderung 2018 bis 2020. Erstmals werden die Ensembles von Alexandra Waierstall (Düsseldorf) und Overhead Project (Köln) in die Spitzenförderung aufgenommen. Erneut in die Spitzenförderung aufgenommen wurden Billinger & Schulz (Düsseldorf), das Ensemble um Raimund Hoghe (Düsseldorf) sowie die Kompanie bodytalk (Münster). CocoonDance war bereits vor einigen Jahren in der Spitzenförderung. Nun hat die Kompanie die Jury erneut überzeugt. Die Entscheidung traf eine Expertenjury. Das Auswahlverfahren fand in Kooperation mit dem nrw landesbüro tanz statt. Die herausragenden Künstlergruppen erhalten für den Förderzeitraum von drei Jahren jährlich bis zu 65.000 Euro. Diese Förderung trägt deutlich zur nationalen und internationalen Ausstrahlung und Vernetzung der Ensembles bei.

Erhöhung der Spitzenförderung ab 2021

Im Rahmen der Neukonzeption zur Förderung der freien Szene soll die Förderung von Exzellenz und speziellen künstlerischen Profilen ab 2018 weiter gestärkt werden. Dabei wird die bereits existierende Spitzenförderung Tanzab dem kommenden Förderzyklus 2021 bis 2023 von sechs auf acht Förderungen aufgestockt. Der Förderbetrag pro Jahr erhöht sich auf 80.000 Euro. 

Lernen und lehren Ausbildungszentren

Die Folkwang Universität der Künste in Essen ist weltweit eine der begehrtesten Ausbildungsstätten für zeitgenössischen Tanz. An der traditionsreichen Hochschule haben Größen wie Pina Bausch, Susanne Linke, Urs Dietrich, Wanda Golonka, Malou Airaudo, Henrietta Horn oder Rodolpho Leoni gelehrt und gelernt. In Köln befinden sich mit der Hochschule für Musik und Tanz Köln und dem Institut für Tanz und Bewegungskultur an der Sporthochschule Köln zwei weitere wichtige Ausbildungsstätten.

Junge Choreografinnen und Choreografen finden nach ihrer Ausbildung insbesondere im tanzhaus nrw in Düsseldorf und bei PACT Zollverein/Choreographisches Zentrum NRW in Essen eine Heimstätte für Produktionen und künstlerischen Dialog.

Austausch der Tanzszene Festivals und Messen

National und international ausgerichtete Festivals und Messen beleben den Austausch zwischen den Tanzkompanien und -einrichtungen.

Die internationale tanzmesse ist die einzige Messe für den internationalen zeitgenössischen Tanz. Sie ist der Knotenpunkt für Tanzinteressierte und Tanzfachleute aus aller Welt. Sie ist Marktplatz, Netzwerk, Diskussionsplattform und Tanzfestival in einem. Bei der zwölften Ausgabe der Messe waren zwischen 29. August und 1. September 2018 an über 120 Messeständen Kompanien, Institutionen, Künstlerinnen und Künstler, Ausstellerinnen und Aussteller aus 40 Ländern vertreten.

Alle zwei Jahre findet das „biennale Festival tanz nrw“ in insgesamt acht Städten Nordrhein-Westfalens statt. Das Festival zeigt eine Auswahl der künstlerisch bemerkenswertesten zeitgenössischen Tanzproduktionen, die in den jeweils vorangegangenen zwei Jahren in der freien Szene entstanden sind. Es wird auch durch das Engagement der Landesregierung ermöglicht. Die sechste Ausgabe von tanz nrw fand vom 3. bis 15. Mai 2017 in Essen bei PACT Zollverein statt. Sie ist Tanzkunstfestival und Vermarktungsplattform zugleich und möchte die regionale wie internationale Wahrnehmung der NRW-Tanzszene vertiefen. Beteiligt sind acht Kommunen und die Tanzproduzentenkonferenz. 2017 widmete sich darüber hinaus ein Symposium in Münster dem Werk von Johann Kresnik.

Beratung für Tanzschaffende Das Servicebüro für den Tanz

Das seit 1995 bestehende nrw landesbuero tanz in Köln setzt sich dafür ein, dass das künstlerische Tanzschaffen in Nordrhein-Westfalen gestärkt wird und alle Interessierten an der Vielfalt der Tanzkunst teilhaben können. Das Landesbüro bündelt Informationen über die Tanzaktivitäten in Nordrhein-Westfalen und stellt diese zur Verfügung. Dabei richtet es sich beispielsweise mit Fortbildungen sowohl direkt an die Tanzszene als auch an Institutionen und das Tanzpublikum, unter anderem mit dem tanzkalender nrw. Einen umfassenden Überblick über das „Tanzland NRW“ finden Sie auf der Internetseite des Landesbüros.

Den Tanzschaffenden steht das nrw landesbuero tanz beratend zur Seite und fördert durch die Organisation der internationalen tanzmesse den internationalen Austausch mit und innerhalb von Nordrhein-Westfalen. In der Kultur- und Bildungslandschaft unterstützt das Landesbüro mit dem Bereich Tanzvermittlung die Durchführung verschiedenster Projekte. Unter anderem führt das nrw landesbuero tanz im Rahmen des Landesprogramms NRW Kultur und Schule die Fortbildungen für Tänzerinnen und Tänzer, Choreografinnen und Choreografen sowie für Tanzpädagoginnen und Tanzpädagogen durch.

Kinder und Jugendliche Tanz als kulturelle Bildung

In den letzten Jahren haben sich künstlerische Tanzangebote in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen sehr stark entwickelt. Deshalb hat sich aus dem Bereich „Tanz in Schulen“ der Fachbereich Tanzvermittlung des nrw landesbueros tanz entwickelt. Ziel der Arbeit des Fachbereichs ist es, dass zeitgenössische Tanzkunst langfristig fester Bestandteil der Bildungs- und Kulturlandschaft sowie in der Kinder- und Jugendarbeit wird. Das nrw landesbuero tanz ist Schaltstelle und Ansprechpartner für alle Interessierten. Zu den Aufgaben des Fachbereichs Tanzvermittlung gehören die Initiierung individueller Projektmodelle in Bereichen wie Schulen, Jugendhilfe und Kitas, die Stärkung bestehender Netzwerke und die Schaffung von Aufführungsmöglichkeiten für Tanz von Kindern und Jugendlichen und Tanz für junges Publikum.

Inzwischen ist Tanzvermittlung und Tanz in Schule und Jugendhilfe zu einem bundesweit viel beachteten Markenzeichen des „Tanzlandes NRW“ geworden.

Das Festival „Tanz hoch drei“ präsentierte professionelle Inszenierungen für und von Kindern und Jugendlichen. Zusätzliche Angebote während des Festivals waren Workshops von Künstlerinnen und Künstlern für Kinder, Tanzclubs für Kinder und Jugendliche, Programme für Familien sowie Tanzpräsentationen an ungewöhnlichen Orten. Das Projekt „Take-OFF“, das im Rahmen des Tanzplans Deutschland initiiert wurde, ist ebenfalls eines der herausragenden Projekte im Bereich des Tanzes für und von Kindern und Jugendlichen in Nordrhein-Westfalen. Es umfasst sowohl Tanzproduktionen mit Kindern und Jugendlichen, die gemeinsam mit professionell arbeitenden Künstlerinnen und Künstlern lernen, Bühnenstücke zu entwickeln, als auch Tanzproduktionen für Kinder und Jugendliche durch Bühnenaufführungen für ein junges Publikum in Form von Eigenproduktionen und Gastspielen.

Anlaufstellen für die Wissenschaft Tanz und innovative Archive

Pina Bausch gilt als eine der wichtigsten Choreografinnen des 20. Jahrhunderts und als bedeutendste Tänzerpersönlichkeit, die Deutschland je hervorgebracht hat. Der Tod von Pina Bausch am 30. Juni 2009 bedeutete für die Geschichte des deutschen Tanztheaters einen immensen Verlust. Das Wuppertaler Tanztheater und die Pina Bausch Stiftung, insbesondere der Sohn der Künstlerin Salomon Bausch, haben die Erarbeitung eines Archivs mit internationaler Bedeutung initiiert. Das Land Nordrhein-Westfalen förderte gemeinsam mit der Kulturstiftung des Bundes, mit der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) und der Dr. Werner Jackstädt-Stiftung die Sicherung und Erschließung des Pina-Bausch-Nachlasses für die Öffentlichkeit. Dabei geht es zum einen um die systematische Erfassung sämtlicher Archivalien, die Konservierung und Restaurierung der vom Verfall bedrohten Materialien, um eine videobasierte Kommentierung von Werken durch Mitglieder des Tanztheaters Wuppertal sowie um die Einrichtung einer Datenbank. Zum anderen geht es um die Entwicklung eines Vermittlungskonzeptes für den Nachlass. Das leitende Ziel der Vermittlung besteht in einer Öffnung des Archivs für zukünftige Künstlergenerationen, für Fachinteressierte und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland, Tänzerinnen und Tänzer sowie für eine breite Öffentlichkeit.

Das Deutsche Tanzarchiv Köln ist neben dem Tanzarchiv Leipzig und dem Deutschen Tanzfilminstitut Bremen eine der wichtigsten deutschen Anlaufstellen für Tanzwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler in aller Welt. Neben Bibliothek, Videothek und Archiv mit mehr als 200 Nachlässen von Tanzschaffenden verfügt das Tanzarchiv Köln über eine Sammlung von 160.000 Fotos und 117.000 Originalnegativen.

Sie haben Fragen? Ihr Kontakt

Ansprechpartner sind die Dezernate 48 der jeweiligen Bezirksregierungen.

Ihr Kontakt im Ministerium:

  • Bettina Milz
    Tel.: 0211 896-4810
    E-Mail: bettina.milz[at]mkw.nrw.de
  • Dr. Stefanie Jenkner
    Tel. 0211 896-4811
    E-Mail: stefanie.jenkner[at]mkw.nrw.de
  • Jasmin König
    Tel. 0211/ 896-4835
    E-Mail: jasmin.koenig[at]mkw.nrw.de