DSW Journal: "Noch bin ich im Kennenlern-Modus"

09. Oktober 2017: 13 Fragen an Isabel Pfeiffer-Poensgen

Frau Pfeiffer-Poensgen, wer hat sich denn Ihr Ressort ausgedacht?

Die Kombination aus Kunst und Wissenschaft gibt es in vielen Bundesländern. Dass die Kultur vorne steht, ist eine bewusste Setzung, um den Kulturschaffenden zu zeigen, wie wichtig sie für das Land sind.

Droht den Hochschulen ein Bedeutungsverlust?

Natürlich nicht. Ihre Rolle ist unbestritten, niemand zweifelt an ihrer Bedeutung für NRW.

Können Sie denn überhaupt Wissenschaft?

Weil ich viel in der Kulturpolitik unterwegs war? In meiner Biografie gibt es auch die Jahre in der Hamburger Wissenschaftsverwaltung und als Kanzlerin der Musikhochschule Köln. Fremd ist mir die Wissenschaft wirklich nicht.

Was steht auf Ihrer To-do-Liste ganz oben?

Noch bin ich im Kennenlern-Modus und führe viele Gespräche. Geplant ist die Novellierung des Hochschulgesetzes. Und ein übergreifendes Thema wird die Digitalisierung sein.

Aber dafür gibt es doch ein eigenes Ministerium?

Das heißt ja nicht, dass wir dieses wichtige Thema nicht aufgreifen.

Wie groß ist Ihr Respekt vor den Hochschulchefs? Die haben Ihre Vorgängerin ja manchmal schwer genervt ...

Dass auch mal die zuständige Landesministerin attackiert wird, ist Teil des Berufs. Und ich weiß schließlich auch, welche Schätze es im universitären Bereich gibt.

Und diese Schätze wollen Sie sich mit den Studiengebühren für Nicht-EU-Ausländer/-innen teuer bezahlen lassen?

Das werden wir in Ruhe durchdenken. Jemand, der bisher nichts mit Deutschland zu tun hatte und außerhalb der EU lebte, kann durchaus auch zu einem finanziellen Beitrag herangezogen werden. Es gibt Erfahrungen mit Studienbeiträgen an der Musikhochschule Leipzig, dazu das gerade eingeführte Modell in Baden-Württemberg. Diese Bausteine müssen wir zusammenfügen, bevor wir einen Vorschlag zur Umsetzung machen.

Der NRW-Koalitionsvertrag verspricht Entfesselung und Entbürokratisierung. Auch für die Hochschulen und Studierendenwerke?

Im Hochschulgesetz werden wir Veränderungen vornehmen. Zu den Hochschulen wird da Einiges stehen. Bei den Studierendenwerken habe ich nicht den Eindruck, dass Bürokratie ein besonderes Problem ist.

Wichtig wäre denen auch ein Hochschulsozialpakt.

Ich bin offen für Vorschläge. Wir brauchen eine gut unterfütterte Grundlage, auf der wir diskutieren können. Und Hinweise darauf, wo es besonders drückt.

Mecklenburg-Vorpommern erhöht seine Landeszuschüsse für die Studierendenwerke kontinuierlich. Ein Vorbild für NRW?

Mit steigenden Studierendenzahlen steigt auch der Bedarf beim Wohnen oder der Kinderbetreuung, klar. Anderseits gibt das Land hier schon viel Geld: 45 Millionen Euro pro Jahr für laufende Ausgaben, 20 Millionen für die BAföG-Ämter, dazu Kita- und Wohnheimzuschüsse und 40 Millionen zur Wohnraumsanierung.

Wenn demnächst die Abschaffung des Kooperationsverbots ansteht – wie stimmen Sie dann ab?

In der Wissenschaft gibt es ja schon deutliche Entspannung – bei Kunst und Kultur leider noch nicht. Andererseits muss das Land zu seiner Verantwortung für den Hochschulbereich stehen. Insofern sehe ich eine bedingungslose Öffnung kritisch.

Aber bei der geplanten Gründung einer neuen Medizinfakultät in Bielefeld könnte zusätzliches Bundesgeld doch ganz angenehm sein.

Es entspricht nicht meiner Vorstellung einer Bundes-Bildungs-Politik, einzelne Universitäten dauerhaft zu finanzieren. Da sind eher große Programme gefragt, um gezielt wichtige Bereiche zu fördern.

Wenn Sie in fünf Jahren Bilanz ziehen – wie wird die ausfallen?

Ich möchte für die NRW-Hochschulen Rahmenbedingungen schaffen, die sie international konkurrenzfähig machen – das gilt für Studierende ebenso wie für die Menschen in Lehre und Forschung.