Berufskollegs

Den Berufskollegs ist es in den vergangenen Jahren gelungen, dem Unterangebot an naturwissenschaftlichen Lehrkräften durch die verstärkte Beschäftigung von Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteigern zu begegnen. Die Analyse des zukünftigen Lehrerarbeits­marktes für das Berufskolleg zeigt jedoch, dass zukünftig erhebliche zusätzliche Anstrengungen nötig sind, um die Lehrkräfte­versorgung am Berufskolleg dauerhaft zu sichern.

Das Maßnahmenbündel der Landesregierung soll den Bedarf an technisch-gewerblichen Lehrkräften in Zukunft decken.

Die Maßnahmen

1. Lehrerinnen und Lehrer, die bereits am Berufskolleg unterrichten, können sich in technischen Fachrichtungen weiterqualifizieren. Die Bezirksregierungen richten zu diesem Zweck zu Beginn des Schuljahres 2012/2013 Kurse für Maschinen-, Elektro- und Fahrzeugtechnik ein. In einjährigen Zertifikatskursen werden theoretische und praktische Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten vermittelt. Nach Abschluss der Kurse wird ein Zertifikat ausgestellt, mit dem eine unbefristete Unterrichtserlaubnis in der jeweiligen Fachrichtung erteilt wird.

2. Ausgewählte ehemalige Berufskolleg-Lehrkräfte, die in den vergangenen drei Jahren aus dem Dienst ausgeschieden sind, werden mit dem Ziel angesprochen, in begrenztem Umfang weiter Unterricht zu erteilen. Darüber hinaus ist die Landesregierung mit den Spitzenorganisationen der Wirtschaft im Gespräch, um zu prüfen, ob und wie technische Fachkräfte aus der Wirtschaft mit Universitäts- und Fachhochschulabschluss für eine nebenberufliche Lehrtätigkeit in der Schule gewonnen werden können.

3. Die kooperative Berufskolleg-Lehrerausbildung von Fachhochschulen und Universitäten soll weiter gestärkt und ausgebaut werden. Um eine Bestandsaufnahme der Lehramtsausbildung für das Berufskolleg zu erstellen, wird umgehend eine unabhängige wissenschaftliche Kommission eingerichtet, die Empfehlungen zur Entwicklung der Standorte, der Fachdidaktik und zum Ausbau der kooperativen Lehrerausbildung erarbeiten wird. Bei der zweiten Sitzung der Expertenkommission haben die Westfälische Hochschule Gelsenkirchen und die Universität Wuppertal eine Kooperationsvereinbarung unterschrieben. Damit haben Bachelor-Absolventinnen und -Absolventen von gewerblich-technischen Fächern der Westfälischen Hochschule die Möglichkeit, reibungslos in den Master of Education an der Universität Wuppertal zu starten.

4. Seit dem Wintersemester 2010/11 stehen vielfältige Möglichkeiten für ein Studium ohne vorher absolviertes Abitur offen. Das heißt: Man kann auch ohne Abitur studieren, mit einem Meisterbrief in der Tasche oder mit einer zweijährigen Ausbildung und drei Jahren Berufspraxis. Zusammen mit der Wirtschaft sollen diese Möglichkeiten für beruflich Qualifizierte besser bekannt gemacht werden.

5. Die Landesregierung wirbt gemeinsam mit der Wirtschaft und den Zentralen Studienberatungsstellen der Hochschulen bei Abiturientinnen und Abiturienten gezielt für ein Lehramtsstudium für das Berufskolleg. Dabei werden vor allem Absolventinnen und Absolventen der Berufskollegs und der Fachhochschulen mit technischen Fächern angesprochen. Geplant sind u.a. Schülercampusveranstaltungen und Patenschaften für Schülerinnen und Schüler, die sich für technische Fächer interessieren.