Evangelisches Studienwerk Villigst

Viele Stipendien – Viele Wege zur Förderung: Hendrik

Portraitfoto Hendrik
Bild: NRW-Zentrum für Talentförderung

Die Zusage für das Stipendium des Evangelischen Studienwerks Villigst kam per E-Mail als Hendrik gerade mit Freunden in den Niederlanden war, um sich von den Abiturprüfungen zu erholen und auch ein bisschen zu belohnen. „Die offizielle Zusage war in einem der Anhänge. Ich habe den ersten Anhang geöffnet, das war ein Busfahrplan zum Stipendienwerk und ich konnte erst nichts damit anfangen. Im zweiten Anhang dann die Zusage. Mann, war ich baff!“, erinnert er sich, „nicht nur das Abitur mit 1,5 bestanden, sondern auch noch ein Stipendium im Gepäck. Ich konnte mein Glück kaum fassen.“

Ich dachte immer, ein Stipendium sei nur für Professorenkinder.

Hendrik ist im ersten Semester seines Lehramtsstudiums der evangelischen Religion und Geschichte an der Universität Duisburg-Essen. Zwei Fächer, die, wie er findet, eigentlich eines sein müssten. Denn Geschichte werde stark von Religion geprägt und auch umgekehrt könne man Religion nie losgelöst von Geschichte betrachten. Hendrik möchte Lehrer an einer Gesamtschule werden und interessiert sich sehr für diese beiden Fächer. Seine Abi-Klausur in Geschichte hat er sogar mit der bestmöglichen Note bestanden: fünfzehn Punkte.

Trotz seines sehr guten Notendurchschnitts hätte er nicht gedacht, dass er jemals mit einem Stipendium gefördert werden würde. „Ich wusste nur so ungefähr, was ein Stipendium ist und dachte, das sei nur für Professorenkinder. Erst als mein Talentscout Nils Bergenthum von der Hochschule Ruhr West mir vorgeschlagen hat, mich um ein Stipendium zu bewerben, habe ich das überhaupt als Option für mich wahrgenommen. Und nur durch den Zuspruch und mit Unterstützung meines Talentscouts und des TalentKollegs Ruhr in Herne habe ich mich dann auch wirklich beworben, denn ich wusste weder, wie das Bewerbungsprozedere abläuft noch wie ich am besten ein Bewerbungsschreiben formuliere.“

Erster Student der Familie

Hendrik ist der erste, der in seiner Familie studiert. Seine Mutter arbeitet in einer Arztpraxis, sein Vater ist Kraftwerksmeister für Elektronik in einem Kraftwerk in Essen, genau wie sein Bruder. Ein Studium aufzunehmen, war schon lange der Wunsch des 20-jährigen Oberhauseners. Mit seiner Familie konnte er seine Pläne aber nur bis zu einem bestimmten Punkt besprechen. Die Erfahrung mit der akademischen Welt war einfach nicht vorhanden. „Meine Eltern haben mir immer Mut gemacht, meinen Weg zu gehen. Aber erst im NRW-Talentscouting bekam ich dann auch Antworten auf meine beruflichen Fragen. Es war wichtig für mich, von jemandem, der kein Familienmitglied ist, zu hören, dass ich etwas kann. Obwohl ich meinen Talentscout Nils noch nicht so lange kenne, ist er wie ein alter Freund, mit dem ich auf professionelle Weise alles besprechen kann. Eine akademische Ausbildung und besonders Geisteswissenschaften sind für meine Eltern einfach sehr abstrakt.“

Hendrik engagiert sich neben der Schule in dem Eine-Welt-Laden seiner Kirchengemeinde. Daneben spielt er begeistert Fußball, ist im Jugendvorstand seines Vereins und auch noch Fußballtrainer und Schiedsrichter. Dass dieses ehrenamtliche Engagement nicht selbstverständlich ist und von Begabtenförderungswerken neben den Schulnoten bei der Bewerbung um ein Stipendium berücksichtigt wird, wurde Hendrik in den Gesprächen mit seinem Talentscout Nils klar. „Meine Tätigkeiten außerhalb der Schule habe ich nie als besonderes Engagement oder als Leistung  gesehen“, überlegt Hendrik, „das war für mich immer selbstverständlich, weil ich gerne mit Menschen arbeite.“ Neben der finanziellen Unterstützung des evangelischen Studienwerks Villigst, ist Hendrik deshalb das ideelle Förderprogramm sehr wichtig. „Schon bei den ersten Veranstaltungen habe ich viele Mitstipendiatinnen und -stipendiaten kennengelernt. Ich habe gemerkt, dass mir dieses Netzwerk an Menschen persönlich viel bringt. Alle begeistern sich für unterschiedliche Themen und man kann gemeinsam daran arbeiten. Das ist motivierend und erweitert den eigenen Horizont. Wenn mich mein Vater manchmal augenzwinkernd ‚Doktor‘ nennt, muss ich lachen. Ob ich mal promovieren werde, kann ich jetzt wirklich noch nicht sagen.“