Studienstiftung des Deutschen Volkes

Viele Stipendien – Viele Wege zur Förderung: Jerome

Portraitfoto Jerome
Bild: NRW-Zentrum für Talentförderung

Früher als die meisten anderen hat Jerome einen festen Zukunftsplan: Eine Laufbahn bei der Polizei sollte es werden. Ein Jahr vor dem Abi stellt sich der Oberstufenschüler der Geschwister-Scholl-Gesamtschule Lünen dem anspruchsvollen Auswahlverfahren. Im schriftlichen Teil schrammt er haarscharf an der Vorgabe vorbei – und ist raus. Aber Jerome lässt den Kopf nicht hängen, im Gegenteil: „Die Zugangsvoraussetzungen für die Beamtenlaufbahn sind sehr schematisiert und eigentlich möchte ich gar nicht in Schemen passen“, ordnet er das vermeintliche Scheitern rückblickend positiv ein.

Der rote Faden: Biologie und Naturwissenschaften

Ohnehin ist sein roter Interessensfaden ein anderer: Biologie und Naturwissenschaften interessieren den jungen Mann schon immer. Speziell Bio hat es ihm angetan, da könne man um die Ecke denken, und das mag Jerome. Auf einer Infoveranstaltung an der RWTH Aachen lotet er die Bedingungen für ein Studium aus – und ist begeistert: „Ich wusste sofort, dass ich da richtig bin. Die Qualität der Lehre ist sehr hoch, die Professoren sind auch international angesehen. Außerdem ist Aachen Teil der Exzellenzinitiative.“

Deal mit den Eltern: Aachen oder Beamtenlaufbahn

Dabei ist Jerome in seiner Kernfamilie der erste, der ein Studium anstrebt. Seine Eltern sind stolz auf ihren Sohn, der wenig später einen Abischnitt von 1,2 erzielen wird. „Meine Mutter hat immer scherzhaft gesagt: Du bist nicht von uns, du bist uns zugelaufen“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Gleichzeitig steht Sicherheit für die Eltern an erster Stelle, Jeromes Studienvorhaben sehen sie zunächst skeptisch. Man einigt sich auf einen Deal: Reicht es nicht für die RWTH Aachen, schlägt Jerome eine Laufbahn beim Finanzamt ein. Für ihn selbst ist der Weg allerdings glasklar, ein halbes Jahr vor dem Abi hat er seinen Platz im Studierendenwohnheim sicher – im niederländischen Vaals, kaum 50 Meter von der Grenze entfernt. Wichtig für Jerome: Studierenden aus EU-Staaten, die ihren Erstwohnsitz in den Niederlanden anmelden, erhalten einen staatlichen Mietzuschuss.

Knackpunkt Studienfinanzierung: Der Weg ins TalentScouting

Das Thema Studienfinanzierung ist es auch, das ihn in Kontakt zu TalentScout Julia bringt. Der junge Mann ist ein Paradebeispiel dafür, dass auch Einser-Schülerinnen und Schüler nicht für alles einen Masterplan haben können. „Als ich unsere Studien- und Berufswahlkoordinatorin nach Julia fragte, sagte sie: „Ich dachte, du brauchst das gar nicht“, blickt Jerome zurück. In den Scouting-Sprechstunden nehmen Julia und Jerome Finanzierungsmodelle unter die Lupe, da aufgrund des geringen BAföG-Anspruchs eine zusätzliche Einnahme fehlt. Jerome: „Da hat Julia mir mega geholfen. Ich wusste bis dahin nicht, wie ich die Kosten stemmen soll.“ Trotz Nebenjobs scheint ein Studienkredit unausweichlich. Eines der begehrten Stipendien wäre hier natürlich die bessere Alternative, neben der finanziellen Unterstützung warten vielfältige ideelle Förderbausteine, zumal Jerome ein aussichtsreicher Kandidat ist: Er überzeugt nicht nur mit Bestnoten, sondern auch als engagierte Persönlichkeit, etwa als Schülersprecher. Jerome bewirbt sich mit Julias Unterstützung bei verschiedenen Stiftungen, die zu seinen Werten und seinem Engagement passen – zunächst ohne Erfolg. Im Abi-Sommer eröffnet sich dann eine neue Option: Jerome wird von seiner Schule für die Studienstiftung des deutschen Volkes vorgeschlagen, wo er nach erfolgreicher Bewerbung zum Auswahlwochenende eingeladen wird.

Parallel beginnt zum Wintersemester 2017/18 das Bio-Studium in Aachen. Die Umstellung im Vergleich zur Schule ist groß, Eigenverantwortlichkeit zählt. Jerome beißt sich durch die erste Klausurenphase, schiebt für zwei Monate Acht-Stunden-Lernschichten und wird mit fünf von fünf bestandenen Prüfungen belohnt. Überhaupt ist er mit seiner Studienwahl sehr zufrieden: „Es gab schon so viele Aha-Momente. Immer wieder klären sich die großen Fragezeichen, die im Bio-LK aufgrund von Zeitmangel übriggeblieben waren.“ Sein besonderes Interesse gilt der Zellbiologie, der Mikrobiologie und der Neurobiologie, hier sind die Forschungsmöglichkeiten unerschöpflich.

Ich weiß immer noch nicht, wie ich das geschafft habe.

Der Lohn für Fleiß und Engagement in den zurückliegenden Jahren folgt nach dem ersten Semester: Jerome wird Stipendiat der Studienstiftung! In der heißen Bewerbungsphase ist zuvor Julia wieder an seiner Seite – das TalentScouting der Fachhochschule Dortmund reicht regelmäßig weit über die Schulzeit hinaus; unerheblich ist dabei im Falle eines Studiums auch, für welche Hochschule sich die Talente entscheiden. Für Jerome ein wertvolles Angebot: „Für das Auswahlverfahren muss man einen umfangreichen Fragebogen ausfüllen. Ich habe jeweils meine Antworten formuliert, Julia hat Verbesserungsvorschläge gemacht.“ Dass er sich letztlich im Auswahlwochenende gegen starke Konkurrenz durchsetzt, überrascht ihn dennoch: „Ich weiß immer noch nicht, wie ich das geschafft habe“, blickt der Neu-Stipendiat zurück. Seinen ersten Lebenshaltungskostenzuschuss investiert er in ein Motorrad, um mobiler zu sein. Aber Jerome möchte denen, die ihn unterstützen und an ihn glauben, auch etwas zurückgeben: Als Botschafter für die Studienstiftung wird er ab sofort an Schulen in Dortmund und Lünen das Programm vorstellen.

Zwei denkbare Zukunftsszenarien: Forschung oder Verkauf

Wie stellt sich der 20-Jährige seine berufliche Zukunft vor? Zwei Szenarien sind denkbar: Da ist einerseits seine Begeisterung für die Forschung. Über seinen Nebenjob als studentischer Tutor hofft er, sich für die Forschungsgruppe am Lehrstuhl für die Molekulare Zellbiologie der Pflanzen zu empfehlen und hier Kontakte zu Professoren zu knüpfen. „Ich möchte versuchen, mich am Lehrstuhl zu etablieren. Zumal mit der Forschung auch die Lehre einherginge und das würde mich auch sehr reizen.“ Gleichzeitig kann er sich eine Verkaufstätigkeit für einen Biotech-Konzern vorstellen: „Das könnte mir liegen, ich arbeite gerne mit Menschen. Als Konzernvertreter beispielsweise zu Großbauern zu gehen und neue Produkte einzuführen, fände ich spannend.“

Bei aller Zielstrebigkeit legt der junge Mann auch Wert auf sein Sozialleben – nur Lernen, das wäre nichts für ihn. Speziell im Fitnessstudio seines Wohnheims hat er gute Freunde gefunden, mit denen er auch mal bis in die frühen Morgenstunden um die Häuser zieht. „Ich bin im studentischen Leben gut angekommen. Mittlerweile habe ich mehr Freunde in Aachen als in Lünen.“, sagt Jerome. Für ihn hat es sich schon jetzt ausgezahlt, seine Ziele mutig zu verfolgen.