#HerzensOrte: Symbol für einen Lebenstraum

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(Bild: Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig)

Dr. Matthias Geiger koordiniert seit 2014 das BMBF-finanzierte German Barcode of Life Verbundprojekt GBOL am Museum Koenig in Bonn. Er ist Fachmann für Molekulare Taxonomie und Ichthyologe.

Zur Koordinierung des GBOL Projektes ist Dr. Matthias Geiger überall in Deutschland unterwegs, selten um selber Proben zu nehmen, aber oft für Besprechungen mit Kollegen des Konsortiums aus über 15 Naturkundemuseen, Universitäten und anderen Forschungsinstituten. Aber auch der Kontakt zu den vielen Citizen Scientists genannten externen Spezialisten mit Artenkenntnis ist ihm insbesondere für das Projekt enorm wichtig. Denn das große Ziel - die Erstellung einer DNA-Barcode Referenzbibliothek zur grundlegenden Erfassung der deutschen Fauna und Flora – ist nur zusammen mit Experten außerhalb der Institute möglich. Alle im Projekt erhobenen Informationen werden dabei in einer zentralen Datenbank erfasst, welche frei zugänglich ist. Dies ermöglicht es bereits heute, eine schnelle Bestimmung von Arten durchzuführen, einfach in dem ein DNA-Barcode einer unbekannten Probe mit den DNA-Barcode Sequenzen in der Datenbank verglichen wird. Dies wird für dringende Entscheidungen auf sachlicher Basis immer wichtiger.

Die Frage, welches sein Lieblingsort bei seinem Arbeitgeber, dem Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig – Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere sei, verblüffte ihn zunächst, da er noch nie darüber nachgedacht hatte. Bislang fühlte er sich nahezu überall schnell zuhause – sei es in Nicaragua oder in Bonn, in seinem ersten, kleinen Büro oder in seinem derzeitigem. So zeichnet sich Matthias Geiger eher als wenig ortstreuer "Deutschlandbummler" aus. Auch im Museum ist ihm jeder Arbeitsplatz gleich wichtig.

Nach ein wenig Überlegen fiel ihm dann doch ein Ort im Museum ein, der etwas ganz besonderes darstellt: Die Giraffen im zentralen Ausstellungsbereich "Savanne, das wechselvolle Paradies".

Aber warum?

"Es ist ein Ort, der zentral liegt, in der Mitte. Hier steht ein Symbol für das Wirken des Gründers des Museums, Alexander Koenig. Er brachte die beiden Giraffen 1913 mit seiner Frau Margarethe von einer Nilfahrt durch Ägypten und den heutigen Sudan nach Bonn. Sie sollten Teil seines Lebenstraums von einem großen Naturkundemuseum werden. Das ist in gewisser Weise inspirierend. So wie Alexander von seinem Museum träumte, hoffe auch ich, dass wir in GBOL etwas schaffen, dass die Zukunft unseres Planeten verbessert. Ein großer Schritt dafür ist die Nutzbarmachung der Unmengen an DNA-Barcodes durch die Veröffentlichung. Von den Daten profitieren neben den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die Arten Erfassen und Beschreiben, auch der Umwelt- und Naturschutz, die Kriminalistik, Medizin oder Schädlingsbekämpfung.

Alexander Koenig ist es gelungen, sein ganz großes Lebensziel zu verwirklichen. Trotz großer Herausforderungen durch finanzielle Verluste während der Inflation und politische Verwirrungen im ersten Weltkrieg erschuf Koenig eines der großen Naturkundemuseen Deutschlands. Dieses wurde noch dazu nach dem Zweiten Weltkrieg eine Art Sinnbild als »Wiege der Demokratie« der jungen Bundesrepublik Deutschland: Am 1. September 1948 fand im Lichthof des Museums die feierliche Eröffnung der konstituierenden Sitzung des Parlamentarischen Rates statt. Eine der beiden Giraffen im Lichthof war zu groß, um sie für diese Veranstaltung durch die Mauerbögen aus dem Raum zu bringen. Hartnäckig hält sich in vielen Büchern, Berichterstattungen und in der mündlichen Tradierung des Geschehens das Gerücht, sie habe an jener Veranstaltung gleichsam als »stummer Augenzeuge« über Vorhänge geschaut und die Gäste beobachtet.

An diesem Platz im Haus wird mir klar, dass das Museum Koenig nicht nur ein Hort zum Erfahren von Biodiversität und ein El Dorado für Weltreisende, Wissenshungrige und Geschichtsinteressierte ist. Hier tauschen sich Groß und Klein immer wieder über die globalen und lokalen Veränderungen der Artenvielfalt und Lebensräume aus, für deren Erhalt und besseren Schutz das von mir koordinierte Projekt einen wichtigen Beitrag leistet. In den wichtigsten Stationen der Ausstellung lassen sich die Bedeutung der Artenvielfalt und der ökologischen Gefüge in beeindruckenden Szenen betrachten. Aber nicht jeder Besucher denkt beim Wandeln durchs Museum an das gesellschaftspolitisch hoch-relevante Artensterben. In eigener Sache spüren viele Besucherinnen und Besucher ihrem Bezug zur Natur nach. Dabei kann man seiner eigenen Identität näher kommen. Aber den wahren Sinn sehe ich darin, zu verdeutlichen, dass der Schutz von Biodiversität ein Gewinn für unser aller Lebensqualität ist. Mit ihrer Ästhetik und Ausstrahlung sind die beiden Giraffen Botschafter genau dafür, aber auch ein Beispiel, wie hochaktuelle Forschung mit der Geschichte des Hauses verwebt ist. Das führe ich mir hier gerne vor Augen."

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