02.01.2020

Nordrhein-Westfalen wird Fraunhofer-Standort für Geothermie: Land investiert 27 Millionen Euro

Eröffnung der Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geothermie IEG in Bochum – weitere Standorte in Aachen und Jülich

Um die klimafreundliche Energieversorgung weiter voranzutreiben, hat die Fraunhofer-Gesellschaft zum 1. Januar 2020 die „Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geothermie IEG“ eröffnet. Das „Internationale Geothermiezentrum Bochum (GZB)“ als Kernbaustein des Instituts ist in die Fraunhofer-Gesellschaft integriert worden und wird an den Standorten Bochum und Aachen/Weisweiler ausgebaut und vergrößert. In Jülich entsteht ein weiterer Einrichtungsteil zur Sektorkopplung, in Cottbus und Zittau ein Einrichtungsteil zu Energieinfrastrukturen. Das Ministerium für Kultur und Wissenschaft stellt für Bau, Erstausstattung und Betriebsaufbau in den nächsten fünf Jahren rund 27 Millionen Euro zur Verfügung.

Kultur- und Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen sagte: „Die Energiewende kann nur gelingen, wenn wir neue technologische Ansätze und Ideen aus der Wissenschaft gezielt fördern und weiterentwickeln. Die Erforschung der Geothermie in Bochum, Aachen und Weisweiler sowie der Sektorkopplung in Jülich sind entscheidende Schritte auf dem Weg zu einer kohlenstoffarmen Energieversorgung. Die Fraunhofer-Gesellschaft findet dafür in Nordrhein-Westfalen ein hervorragendes Umfeld mit einer dichten Hochschul- und Forschungslandschaft und einer großen Zahl an Unternehmen der Energiebranche vor. Eine besondere Rolle spielt dabei die Hochschule Bochum, die in den letzten Jahren mit der Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen eine exzellente Geothermieforschung aufgebaut hat.“

Wirtschafts- und Energieminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart: „Die Eröffnung der Fraunhofer-Einrichtung ist ein echter Erfolg für den Standort Nordrhein-Westfalen. Die Geothermie bietet ein großes Potenzial zur Einsparung von CO2-Emissionen und ist ein wichtiger Faktor, um den Wandel unseres Energiesystems erfolgreich zu gestalten. Bochum verfügt über ideale Voraussetzungen für die Entwicklung der Zukunfts-Technologie, denn hier trifft exzellente Forschung auf viele Unternehmen der Energiewirtschaft. Gemeinsam mit den Partnern in Aachen, Jülich und Weisweiler wird von hier aus die Energiewende zu einer Wärmewende.“

Mit der neuen Fraunhofer-Einrichtung soll das Potenzial für die Anwendung von Geothermie und Technologien zur Kopplung der Energiesektoren Wärme, Strom und Verkehr noch gezielter erschlossen werden. Schwerpunktthemen sind Energieinfrastrukturen und Sektorenkopplung, Wärmebergbau und Speicherung, Bohrlochtechnologien, Georessourcen und die Entwicklung der dafür benötigten Technologiebausteine.

Die Fraunhofer-Gesellschaft wird mit der Hochschule Bochum, an der das GZB bisher angesiedelt war, eng kooperieren, um so neben der Technologie auch hochqualifizierte Fachkräfte auszubilden, die für die Energiewende insbesondere im Wärmesektor dringend notwendig sind. Das GZB wurde 2003 als Verbundforschungseinrichtung der Wirtschaft und der Wissenschaft gegründet und in der Aufbauphase vom Wirtschafts- und Energieministerium wesentlich gefördert.

In der Außenstelle Rheinland (Weisweiler/Aachen, Anbindung an RWTH Aachen) wird der Geschäftsbereich Georessourcen aufgebaut. Am Braunkohlekraftwerkstandort Weisweiler wird zunächst ein Observatorium eingerichtet, um das Potenzial von Geothermie als Ersatz für die wegfallende Abwärme aus der Braunkohleverstromung zu untersuchen. In einem zweiten Schritt folgt dann ein Reallabor mit Referenz-Kraft-Wärme-Kopplung.

Am Einrichtungsteil Jülich, am Open District Hub Research Center, werden zudem digitale Lösungen für eine Kopplung von Strom, Wärme und Verkehr auf Quartiersebene entwickelt. Durch die Schaffung von informationellen Technologien und Marktmechanismen entstehen Lösungen, die auf verschiedene Quartiere in Deutschland ausgerollt werden können.

Die Gründung der Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geothermie (IEG) in Bochum gehört zu den vom Bund geförderten Vorhaben, die zur Strukturentwicklung in den Braunkohleregionen beitragen sollen. Sie soll gemeinsam mit weiteren Standorten in Cottbus und Zittau eine Brücke zwischen den vom Strukturwandel am meisten betroffenen Regionen im Westen und Osten Deutschlands schlagen.

Das Internationale Geothermiezentrum Bochum (GZB)

Das GZB befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Campus der Hochschule Bochum. Die Beteiligten aus Wissenschaft und Wirtschaft können dort mit ihren gemeinsamen Kompetenzen anwendungsorientierte Forschung bis zur marktnahen Produktentwicklung betreiben. Die Forschungsfelder decken das ganze Spektrum der Geothermie ab. Das Geotechnikum und das Energetikum bieten mit umfangreichen Laboren und herausragenden technischen Forschungsinfrastrukturen die Basis für exzellente Verbundforschung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft.