Comiczeichnung eines Querschnitts von einem Haus mit vielen Menschen

Dritte Orte

Dritte Orte sind Plätze des Zusammentreffens und bieten Menschen die Möglichkeit der Begegnung mit Kunst und Kultur in ländlichen Räumen. Deswegen fördert das Ministerium für Kultur und Wissenschaft die Konzeptentwicklung und -umsetzung für solche Orte der Begegnung.

Kulturelle Infrastruktur ausbauen Häuser für Kultur und Begegnung in ländlichen Räumen

Mit dem Programm „Dritte Orte – Häuser für Kultur und Begegnung im ländlichen Raum“ fördert das Ministerium für Kultur und Wissenschaft im Rahmen der Stärkungsinitiative Kultur die Entwicklung und Weiterentwicklung von Kulturorten in ländlichen Regionen. Das Programm ist in zwei Phasen unterteilt: In der ersten Programmphase wurden 17 Projekte bei der Entwicklung von Konzepten für Dritte Orte unterstützt. 14 der in der Konzeptphase geförderten Projekte erhalten nun auch in der zweiten Förderphase – der Umsetzungsphase – Unterstützung. Die Ausschreibung der zweiten Phase richtete sich zudem auch an Projekte, die noch keine Förderung erhalten haben, sodass sich neben jenen aus Phase 1 zusätzlich zwölf weitere Projekte qualifiziert haben. Im November 2020 hat die Fachjury somit insgesamt 26 Projekte ausgewählt, die in der zweiten Programmphase gefördert werden und mit der die konkrete Umsetzung von Dritten Orten im ländlichen Raum ermöglicht wird. Hierfür werden pro Projekt bis zu 450.000 Euro und insgesamt rund 13.5 Millionen Euro für den Förderzeitraum von 2021 bis 2023 zur Verfügung gestellt.

Kulturelle Begegnungsstätten Was sind "Dritte Orte"?

Bei einem „Dritten Ort“ im Sinne des Programms handelt es sich im Kern um eine kulturell geprägte Einrichtung. Durch Öffnung und Vernetzung bzw. Bündelung von kulturellen Angeboten wie auch Angeboten der Bildung und Begegnung versteht sich diese Einrichtung als Ankerpunkt für kulturelle Vielfalt, als ein Beitrag der Kultur zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts, zur Schaffung von gleichwertigen Lebensverhältnissen und zur Stärkung von Identität. Die "Dritten Orte" sichern und erweitern die kulturelle Infrastruktur im ländlichen Raum und beziehen dabei haupt- und ehrenamtliche Aktivitäten gleichermaßen ein.

Zum Verständnis "Dritter Ort" im Sinne des Förderprogramms finden Sie im Downloadbereich eine Liste mit Merkmalen.

Das Programm richtet sich an Projektträger im ländlichen Raum. Es liegt die Gebietskulisse "NRW-Programm Ländlicher Raum" zu Grunde. Eine Übersichtskarte und eine Liste der Städte und Gemeinden finden Sie unten im Downloadbereich.

Einen Film über das Förderprogramm "Dritte Orte - Häuser für Kultur und Begegnung im ländlichen Raum" finden Sie hier.

 

Förderphase 2 Umsetzungsphase

Das Förderprogramm „Dritte Orte – Häuser für Kultur und Begegnung im ländlichen Raum“ ist in die Umsetzungsphase gestartet: Eine Fachjury unter Vorsitz von Klaus Kaiser, dem Parlamentarischen Staatssekretär im Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, hat aus insgesamt 45 Bewerbungen 26 Projekte aus dem gesamten Land ausgewählt, die jetzt zu „Dritten Orten“ gestaltet werden sollen.

Folgende 26 Projekte werden in der Umsetzungsphase des Programms gefördert.
     
Projekte, die bereits in der Konzeptphase des Programms gefördert wurden:

Der Jägerhof in Bergneustadt ist eine denkmalgeschützte, ortsbildprägende und identitätsstiftende ehemalige Gaststätte mit Veranstaltungssaal, die nun als Dritter Ort mit neuem Leben erfüllt wird. Stadt Bergneustadt und bürgerschaftlich-kulturell engagierte Akteure haben sich im innovativen Trägermodell einer Genossenschaft zusammengeschlossen. Die gelungene Verbindung aus Kulturprogramm im Saal und offener Gemeinwesenarbeit in den Nebenräumen zeichnen das Projekt aus.

Die Musikschule Borken mit über 30 dezentralen Unterrichtsorten verfügte bislang über keine zentrale Adresse. Ähnliches galt für die Remigius Bücherei. Als zentraler Ort für beide Einrichtungen und als Teil des städtischen Kulturentwicklungsplans ist ein Neubau geplant. In der Innenstadt entlang einer Kulturachse soll sich ein Dritter Ort als zentraler Kultur-Knotenpunkt und Treff zahlreicher Vereine etablieren. Im vorläufigen Testlabor „3ECK“ wurden 2020 mit einem breiten Partizipationsansatz Ideen ausgearbeitet und erprobt. 

Das Kulturstellwerk Nordlippe des Landeseisenbahn Lippe e.V. ist eine einzigartige Verbindung von mobilen und ortsgebundenen, traditionellen und innovativen Elementen. Die Weiterentwicklung dieses „Langläufer“-Projekts ist der Ausbau zum Dritten Ort für kleinere Veranstaltungen in neu geschaffenen Räumlichkeiten in der Bahnmeisterei Farmbeck – für Kultur, Demokratie, Heimat, und um jungen Menschen auf dem Land einen Grund zum Bleiben zu bieten. Geplant sind Konzerte, Workshops, Events – und Sonderfahrten.

Hoch wie breit: Schloss Ringenberg, der etablierte Ort für Kunst und Hochkultur, öffnet sich für die Stadtgesellschaft, für Breitenkultur mit lokaler und regionaler Verankerung, wird Wohnzimmer für Engagement. Musikschule, Kulturwerkstatt, Künstler-Gesellschaft vernetzen sich in neuer Trägerschaft und öffnen sich für neue Zielgruppen. Eine bauliche Umgestaltung und ein gastronomisches Konzept am historischen Ort sorgen für einladende Atmosphäre. Der spannende Nutzungsmix und der gelungene Beteiligungsprozess haben die Jury überzeugt.

„Wilhalm“ heißt der Gasthof, der lange Harsewinkels gesellschaftlicher Mittelpunkt war und nach längerem Leerstand nun einen Kulturimpuls für die kleine Stadt erzeugen wird. Die Stadt und ihre kulturellen Einrichtungen, die Vereine und ihre ehrenamtlichen Kulturakteure wollen „Wilhalm“ insbesondere für junge Menschen erhalten und gestalten. Volkshochschule, Musikschule, Schulkooperationen, Vereinsaktivitäten, Gastronomie verschmelzen in einem Nutzungsmix, der mehr ist, als die Summe seiner Teile.

Ein wichtiges Vorhaben der Stadtentwicklung in Löhne ist die Wiederbelebung des Bahnhofs. Nachdem dieser lange leer stand, erarbeiteten jetzt die neuen Eigentümer und engagierte Bürgerinnen und Bürger ein neues Nutzungskonzept: „Löhne umsteigen – Der Bahnhof e.V.“. In Kooperation mit der Kommune wird der Bahnhof zum lebendigen Kultur- und Lernort entwickelt. Ankermieter wird die (neue) Bücherei, es gibt reichlich Platz für Kinovorstellungen, Lesungen und Kreativworkshops. Ein Kultur- und Lesecafé mit regionalen Produkten wird die Aufenthaltsqualität zusätzlich steigern.

Der Stadt Netphen fehlten schon lange ein durchgängig geöffneter Begegnungsort sowie kulturelle Angebote besonders für Kinder und Jugendliche. Das Problem löst nun der neue Verein Qulturwerkstatt e.V., der auf Initiative von Künstlerinnen und Künstler entstand. Unter seiner Trägerschaft entsteht derzeit in einer historischen Scheune ein neuer Kultur- und Begegnungsort mit vielen Angeboten zum Mitmachen für Jung und Alt sowie ein Qulturcafé.

Nettersheim versteht sich als „resiliente“ Eifelgemeinde, die mit den Herausforderungen des sozioökonomischen Wandels im ländlichen Raum proaktiv umgeht: Das bestehende Literaturhaus soll weiterentwickelt, um ein Kulturbüro ergänzt und zum Knotenpunkt in der Vernetzung der Aktivitäten in den Dörfern werden. Hinzu kommen mobile Kulturangebote und eine Aufwertung der Gemeinschaftshäuser der Teilgemeinden mit neuen kulturellen Angeboten.

Jugendkunstschule am Start. Makerspace des Berufskollegs im Boot. Eine einzigartige Kooperation von Kreis und Stadt, Kunst und Schule, Technik und Ästhetik: Der ARTandTECH.space ist ein Begegnungs- und Veranstaltungsort sowie Showroom. Konzerte, Performances und Ausstellungen treffen auf Maker-Messen und Tech-Challenges. Damit ist der ARTandTECH.space auch für Menschen interessant, die zunächst keinen Zugang zu den Themen Kunst oder Technik haben. 

Nach ihrer Aufgabe durch die Evangelische Kirche hat sich die Kreuzkirche in Schalksmühle zunächst als Veranstaltungsraum für klassische Konzerte etabliert. Nun soll sie sich zum Kultur-, Bildungs- und Begegnungszentrum weiterentwickeln, indem bestehende Angebote der VHS und Musikschule von anderen Orten hierher verlegt, gebündelt und mit neuen Formaten – v.a. aus der Freien Szene – kombiniert werden. Außerdem entstehen für die vielen örtlichen Vereine Büro-, Gruppen- und Proberäume sowie ein gastronomisches Angebot.

In Schmallenberg, der flächenmäßig größten Kommune in Nordrhein-Westfalen, werden Kulturangebote sehr oft ehrenamtlich organisiert. Nun schafft der neue „Dritte Ort“ im Holz- und Touristikzentrum in der Fläche eine zentrale Anlauf- und Informationsstelle. Das markante Gebäude wird ein qualitativ hochwertiger Ort für Kultur und ihre Vermittlung. Im Fokus steht dabei die Digitalisierung analoger Veranstaltungen, um sie zeitlich und räumlich barrierefrei zu machen. Die Themen Holz, Wald und Tourismus und die Kunstsparte Fotografie finden dabei besondere Beachtung.

Das Jugendkulturzentrum „Life House“ in Stemwede ist ein gut etablierter Freizeitort besonders für junge Menschen. Der engagierte Trägerverein aktivierte viele ehrenamtliche Kräfte, um Pläne für eine Weiterentwicklung zum Dritten Ort zu schmieden. Durch einen Anbau soll ein konsumfreier Kulturtreff ergänzt werden; vormittags gezielt auch für Schüler. Das Kulturprofil des „Life House“ wird deutlich ausgeweitet, z.B. mit einem zweitägigen Indoor-Festival für Nachwuchsbands, mit Musik-Workshops und einer Kulturbörse sowie der Einrichtung einer Land-Kunstschule. 

Ab 2021 macht Waltrop seinen „Dritten Ort sofort“: ein temporäres „Kulturwohnzimmer“ ist Pionierprojekt für die langfristige bauliche Entwicklung des Hauses der Bildung, Begegnung und Kultur. 2022 entsteht im Rahmen einer Summer School das benutzbare 1:1-Modell einer Mediathek im Selbstbau vor Ort. Auf Augenhöhe entwickeln kommunale Kultureinrichtungen und Zivilgesellschaft schließlich den Neubau des „Dritten Orts final“.

„Future Home 3.0“ nennt We love Warstein e.V. sein Vorhaben, einen Leerstand im Ortskern der sauerländischen Kleinstadt als pulsierende Anlaufstelle für Kultur und Jugend und als Knotenpunkt für neue kultur-digitale Angebote und Co-Working zu bespielen. Die besondere Kompetenz der Akteure liegt in der zügigen Aneignung neuer Räumlichkeiten, der Ausrichtung ihrer Aktivitäten an den örtlichen Bedarfen und einem synergetischen Nutzungsmix: viel Leben auf kleinem Raum.

Weitere Projekte: 

Das Soziokulturelle Zentrum „Schuhfabrik“ in Ahlen möchte sich pandemie-kompatibel weiterentwickeln. Dies soll sowohl real-räumlich geschehen als auch, indem das Haus digital und virtuell aktiver wird. Besonders bei seinen Formaten möchte es neue Wege zum Beispiel mit Kultur-Live-Streams gehen. Impulse sollen von externen Künstlerinnen und Künstlern z.B. in den Bereichen Diversität, Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Aufenthaltsqualität ausgehen.

Bad Berleburg baut die Bücherei der Zukunft: In einem beispielhaften Beteiligungsprozess wurde das Konzept für eine multifunktional nutz- und erlebbare Stadtbücherei entwickelt: Über digitale Kanäle wie auch analog mit dezentralen Bücherschränken, Lesestrandkörben sowie Bücherboten wird die Bücherei ihre Reichweite in entlegene Winkel Siegen-Wittgensteins erweitern. Die Onleihe wird durch erweiterte Funktionen zur interaktiven, mitzugestaltenden Leser-Plattform. Ein Dritter Ort zum „einfach Sein“: Das Angebot des Lernens wird durch räumliche und atmosphärische Qualitäten an den Standorten ergänzt. Die Wohlfühlatmosphäre lädt zum Verweilen und „einfach Sein“ ohne Konsumzwang ein, offen, flexibel und zum Wohlfühlen.

Dieser Name ist Programm: „Verve! Gemeinschaft, Kultur & Schwung für Neubeckum“ nennt sich der neue Verein in Neubeckum, der Träger des Dritten Ortes wird. Begeisterung für den Stadtteil und für frische Ideen tragen sie in ein Ladenlokal, das zum Stadtteilwohnzimmer umgebaut wird. So soll ein einladender Raum für unterschiedliche Menschen, verschiedenste kulturelle Inhalte und auch für Veränderungen im Miteinander geschaffen werden.

Dorf- und Schlossgemeinschaft werden das Wasserschloss Reelkirchen gemeinsam entwickeln – zu einem Ort für niedrigschwellige Begegnung und einem Ort der Kunst im ländlichen Raum – mit besonderen Formaten und renommierten Gastkünstlern. „Neuland“ überschreibt der Verein sein Projekt, das Kunst und Kultur nicht als elitär und hermetisch, sondern im Gegenteil als eine der letzten Bastionen des freien Experiments und der ergebnisoffenen Versuchsanordnung in einer zunehmend zielorientiert strukturierten Welt versteht.

Kulturscheune, Herrenhaus und Außengelände bilden das Kulturensemble, das das „TIK Theater“ gemeinsam mit Förderverein, Kommune und ehrenamtlichen Akteuren zum Kultur- und Begegnungsort weiterentwickeln und professionalisieren will. Modellhaft wird der Garten nach historischen Vorlagen unter Beachtung des Denkmal- und Umweltschutzes gestaltet und zu einem Ort für kulturelle Angebote, aber auch für Ruhe und Einklang. Diversität ermöglicht staunenswerte Allianzen mit ungewöhnlichen Perspektiven.

Die Weiterentwicklung des bestehenden Dritten Ortes „Soziokulturelles Zentrum Stroetmanns Fabrik“ in Emsdetten soll geschehen durch die Aneignung des umliegenden öffentlichen Raumes (Innenstadtpark) und durch die Ansprache und Gewinnung neuer Besucher mit bisher wenig Kulturinteresse und -erfahrung. Dabei helfen sollen neue, digitale Wege der Kundenansprache über eine Info-App. Themen wie Natur/Umwelt, Nachhaltigkeit/Klima und Urban Gaming sollen neu erschlossen werden.

Eine leerstehende, denkmalgeschützte Scheune aus dem 18. Jahrhundert, zentral im Ortskern von Fürstenberg gelegen, soll zum Begegnungs- und Kulturort werden. In Zukunft soll sie Genuss und Begegnungen, Kunst und Kultur für die gesamte Fürstenberger Bevölkerung aus den sieben Ortsteilen bieten. Hierfür engagieren sich schon viele Bürgerinnen und Bürger. Auch in Zukunft soll das Projekt in weiten Teilen ehrenamtlich getragen und organisiert werden.

Auf dem Gelände eines Sport- und Jugendclubs und eines Theatervereins schließen sich die dortigen Vereine zum interkulturellen Kulturzentrum zusammen. Ungewöhnlich: Vor allem über den Fußballbetrieb sollen neue Zielgruppen für die Kulturarbeit erschlossen werden! Dazu gehören konkret zum Beispiel Theaterkurse, Töpfern und Fotografieren sowie Bau- und Gartenprojekte. Ein Freiluft-Atelier ist ebenfalls neu geplant.

Ein auf dem ehemaligen Zechengelände „Schirrhof“ neu entstandenes Stadtquartier erhält einen Dritten Ort mit starkem Bezug zur Bergbaugeschichte. Hier werden u.a. VHS-Kurse angeboten und Künstlerateliers integriert. Betreiber ist das Infozentrum Stadt und Bergbau. Partizipationserfahren ist Kamp-Lintfort bereits durch eine größere Stadtentwicklungsmaßnahme zum Quartier. Für den neuen Dritten Ort wird ein ehrenamtliches Netzwerk aufgebaut.

„Gesellschaftliche Gestaltungsmacht“ erfahrbar machen will der Jugendkulturverein „Crew e.V.“, der seinen „Dritten Ort als Treffpunkt für entwicklungs- und veränderungsfreudige Menschen“ im Naturfreundehaus Leichlingen verwirklichen wird. Kunst und Theater, Jugendarbeit und eine Ehrenamtsakademie sind die Nutzungsbausteine, hinzu kommt ein von Jugendlichen betriebenes „Bauwagen-Bistro“. Beim Umbau packen alle mit an.

Ein „Doppel-Dorf“ will das Projekt „Dodo“ stemmen: Eine beachtliche ehrenamtliche Initiative für kulturelle Belebung mit durchdachtem Ansatz und ganzheitlichem Anspruch. Das Dorfgemeinschaftshaus soll kulturell neu genutzt, um einen Saal erweitert und zum Ausgangspunkt eines Transformationsprozesses im ländlichen Raum werden. Ein handfestes, bodenständiges Konzept umfasst sehr konkrete Veranstaltungsformate und Projekte, ohne hausbacken zu sein. Der Paradiesvogel wird fliegen!

Die Gemeindebibliothek Steinhagen ist „Spinne im Netz“ und Motor der Kooperationen im „Schlichte Carree“ im Ortskern von Steinhagen. In unmittelbarer Nähe des ehrenamtlich betriebenen Historischen Museums, einer inhabergeführten Buchhandlung, der Ev. Kirche, des Heimathauses, des neuen Bürgerparks entsteht ein „Ensemble kultureller Gelegenheiten“. In diesem modellhaften Ansatz für Kulturentwicklung im ländlichen Raum haben alle Kunstsparten, die kulturelle Bildung, das kulturelle Erbe, das kreative Schaffen der interessierten Akteure, aber auch das unverabredete Gespräch der Passantinnen und Passanten eine Chance.

Förderphase 1 Konzeptentwicklung

In der Förderphase 1 des Programms „Dritte Orte – Häuser für Kultur und Begegnung in ländlichen Räumen" konnten sich Kultureinrichtungen für eine Förderung bei der Entwicklung von Konzepten für die (Weiter-)Entwicklung einer Kultureinrichtung zu einem "Dritten Ort" bewerben. Wie eingangs beschrieben, werden 14 der insgesamt 17 Projekte der ersten Förderphase nun in der Umsetzungsphase (siehe oben) gefördert.

Begründung der Jury

Ein großer Bedarf nach Treffpunkten trifft auf ein breites Engagement. Der Dritte Ort soll an der ältesten, noch erhaltenen Mühle im Ort entstehen.

Die Jury hat das Projekt als „Initiative von unten“ ausgewählt und den Aktivierungsprozess sowie das hohe Identifikationspotenzial hervorgehoben.

Hintergrund

Der Heimat- und Naturverein Brachelen e.V. hat das Ziel aus der Zivilgesellschaft heraus für Brachelen einen „Dritten Ort“ an der ältesten, noch erhaltenen Mühle im Ort zu errichten.

Brachelen ist ein Stadtteil der Stadt Hückelhoven, die sich als ehemalige Zechenstadt noch in einer Umstrukturierungsphase sowohl in wirtschaftlicher und sozialer als auch kultureller Hinsicht befindet. Gleichzeitig muss sich der ländlich geprägte Kreis Heinsberg, zu der die Stadt Hückelhoven und der Stadtteil Brachelen gehören, gegen die städtischen Kreise Aachen und Mönchengladbach sowie die "Konkurrenz" aus dem Grenzgebiet durchsetzen. In Brachelen selbst fehlen insbesondere niederschwellige Treffpunkte und Räume, in denen sich Bürgerinnen und Bürger, Initiativen und Vereine zwanglos begegnen können. Gegenwertig besteht ein großes Bedürfnis nach Gemeinschaft und Zusammenhalt im Dorf in jeder Altersgruppe. Hier möchte der Heimat- und Naturverein Brachelen e.V. ansetzen und im Rahmen der Konzeptentwicklung und in Zusammenarbeit mit der Stadt Hückelhoven, Vereinen, Schulen und Privatpersonen einen an den örtlichen Bedarfen orientierten „Dritten Ort“ entwickeln.

Das avisierte Gebäude, an dem der „Dritte Ort“ entstehen soll, ist eine alte sanierungsbedürftige Mühle mit überdachten Hallen und einer Gebäudefläche von ca. 1100 qm. Als einziges Mühlengebäude dieser Art in der weiteren Umgebung hat der Ort einen starken Identifikationscharakter, der durch Umbaumaßnahmen wieder zu einem optischen "Highlight" werden könnte. Im Zuge der Konzeptentwicklung sollen die bauliche Realisierung geprüft und konkrete Nutzungsüberlegungen mit weiteren Partnern vor Ort entwickelt werden. Erste Ideen der Bewohnerinnen und Bewohner wie Kleinkunstbühne, Erzählcafé, Werkräume, Heimatmuseum, WLAN-Hotspot, Ausstellungsräume,"Chill-Ecke", musikalische Workshops, kleine Märkte, Exkursionen, "Schraubernachmittag", Skatturniere sind dabei der Anfang. Schlussendlich geht es darum, dass eine Vielzahl kultureller Angebote von Kleinkunst über Theater und Musik wachsen können, und die Bürgerinnen und Bürger Brachelens einen niederschwelligen Ort der Begegnung erhalten.

Begründung der Jury

Ein ehemaliges Schul- und Internatsgelände soll zu einem Dritten (Kultur-) Ort entwickelt werden.

Die Jury hat den Ansatz, der eine Mischung aus kommerziellen und nicht-kommerziellen Angeboten vorsieht, besonders hervorgehoben.

Hintergrund

Ziel der VPK- Viel Platz für Kultur e.V., einer bürgerschaftlich getragenen Initiative, ist es, ein ehemaliges Schul- und Internatsgelände mit Kirche in Rheinbach zu einem Dritten (Kultur-) Ort zu entwickeln.

Die heute noch stehenden Gebäudeteile des ehemaligen Gymnasiums „Hermannianum“ (gegr. 1882) haben eine besondere stadtgeschichtliche Bedeutung und liegen den Bürgerinnen und Bürgern am Herzen. Kurz nach dem Einstellen des Schulbetriebs hat sich aus ehemaligen Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums die Initiative "VPK - Viel Platz für Kultur" gebildet, um die noch vorhandenen Räume mit Veranstaltungen zu bespielen. Im Testbetrieb konnten schon mehrere Kulturangebote in Kooperationen mit weiteren Rheinbacher Vereinen erprobt werden.

Gleichzeitig fehlt zurzeit in Rheinbach ein "Dritter Ort", an dem man sich austauschen kann, an dem regelmäßige Kultur stattfindet und der eine offene niederschwellige Infrastruktur für alle anbietet. Im Rahmen der Konzeptentwicklung sollen die Nutzungsideen für einen „Dritten Ort“ in den Räumlichkeiten konkretisierst werden. Zentrale Bausteine sollen dabei Kultur, Begegnung und Gastronomie (in Fremd- oder Eigenregie) sein. Der Projektträger möchte auch die kommunalen Einrichtungen in die Entwicklungen und Ideenfindung einbinden.

Die denkmalgeschützten Bestandsgebäude bestehen u.a. aus einer voll ausgestatteten Aula für 200 Gäste inkl. Bühnentechnik, einer Großküche und vielen weiteren Räumen – vom  Einzelzimmer mit Bad bis hin zum alten Speisesaal und dem Kirchenraum für ca. 500 Besucherinnen und Besucher. Insgesamt sind die Gebäude in einem gepflegten Zustand, da Teile derzeit u.a. noch als Wohnungen von der Stadt Rheinbach für die Unterbringung von Flüchtlingen, von umliegenden Schulen als Veranstaltungsraum und von einem Catering-Service als Küche genutzt werden. Im Laufe des Prozesses soll zwischen den Nutzern geklärt werden, wie die Gebäude bzw. Gebäudeteile in eine langfristige Mischnutzung geführt werden können, sodass neben den zentralen kulturellen Angeboten auch Räume der Begegnung und des niederschwelligen Treffens für Bürgerinnen und Bürger, Vereine und Initiativen entstehen.

Begründung der Jury

In einer alten jüdischen Schule soll ein gemeinsamer Ort des kulturellen Lernens entstehen, der gleichzeitig als Bindeglied umliegender Kulturangebote fungieren soll.

Die Jury hat die gute Vernetzung vor Ort und die historische Kontextualisierung hervorgehoben.

Hintergrund

Die Vision ist es, aus der "Alten jüdischen Schule" und dem angrenzenden Garten der sogenannten „Hohen Schule“, der ältesten Universität Westfalens und heute Sitz des Kulturforums Steinfurt, einen neuen Dritten Ort für Austausch und gemeinsame interkulturelle und intergenerative Projekte zu schaffen: Identitätsstiftend, kreativ, offen, Innenstadt belebend und lebendig erinnernd.

Für die Stadt Steinfurt liegt in diesem Projekt die Chance, einen wichtigen Impuls für eine lebendige und attraktive Innenstadt zu setzen. Der Heimatverein Burgsteinfurt, der wie viele Heimatvereine Nachwuchssorgen hat, und Dampfross e.V., der außerschulische Bildungsträger für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, wollen sich aktiv und vor allem intergenerativ an der Quartiersentwicklung beteiligen.

Der Heimatverein ist in Steinfurt verwurzelt. Vielen jungen Menschen, Kindern und Jugendlichen, Zugezogenen, "Steinfurtern auf Zeit" fehlt diese Verwurzelung und der Zugang zur neuen Heimat. Die angestrebte programmatische Zusammenarbeit zwischen den beiden Vereinen an einem neuen Dritten Ort bietet die Möglichkeit, gemeinsam Neues zu lernen und zu entwickeln, im intergenerativen und interkulturellen Zusammenspiel von Altem, Bekanntem und Neuem, Fremdem. Um diesen Austausch zu ermöglichen, braucht es aber einen Platz, einen neuen Raum, in dem man sich neu begegnen und gemeinsam einlassen kann.

Die Entwicklung der ehemaligen jüdischen Schule und des angrenzenden Gartens bietet sich hierfür in besonderer Weise an. Das Areal liegt zentral und in direkter Nachbarschaft zur Hohen Schule, die mit dem Kulturforum Steinfurt bereits die VHS und die Musikschule unter einem Dach bündelt. Der neu entstehende Dritte Ort soll aber auch Angebote in fußläufiger Entfernung gelegener Einrichtungen wie z.B. Heimatmuseum, Stadtbücherei, der evangelischen Kirchengemeinde und Stadtmarketing und vor allem den Bürgern offen und zur Verfügung stehen. In unmittelbarer Nähe des Gebäudes befindet sich darüber hinaus der Standort der ehemaligen Synagoge, der heute lebendiger Erinnerungsort ist und weiter in den Blickpunkt rücken soll.

Nachhaltigkeit, Genuss, Regionalität und Kochen sind weitere Themenfelder, die in der jüdischen Schule und dem Garten gemeinsam neu angegangen werden sollen. Dampfross e.V. bringt hier viel Expertise mit, außerdem Neugier und Offenheit gegenüber neuen Formaten, die ansteckend wirken.

Mit der Arbeitsstelle Forschungstransfer der Universität Münster soll die Konzeptentwicklung nun dafür genutzt werden, das Projekt zu öffnen und die Bürgerschaft durch kreative Methoden zu beteiligen. Es sind ungewöhnliche Formate geplant, um das etwas aus dem Fokus der Aufmerksamkeit geratene Areal zu einem qualitätvollen Ort für Kultur und Begegnung zu entwickeln. Neben der Schärfung des Nutzungsprogramms für Gebäude und Garten werden auch gestalterisch-bauliche Fragestellungen eine Rolle spielen. Wichtig ist den Akteuren auch der Aufbau einer nachhaltigen Verantwortungsstruktur.

Förderprogramm "Dritte Orte" Häufig gestellt Fragen und Antworten (FAQ)

In allen Regionen Nordrhein-Westfalens soll der Zugang zu Kunst, Kultur und kultureller Bildung gewährleistet sein. Die Sicherung einer kulturellen Grundversorgung steht in eher ländlichen, strukturschwachen Regionen besonderen Herausforderungen gegenüber. Gleichzeitig brechen auch (andere) Orte der Begegnung und des gesellschaftlichen Zusammenhalts wie z.B. Kirchen oder Begegnungszentren weg. Mit einem neuen Programm "Dritte Orte" sollen für bedarfs- und beteiligungsorientierte sowie innovative Vorgehensweisen im Hinblick auf die Transformation von Kultureinrichtungen Anreize geschaffen und Unterstützung angeboten werden.

Den "Dritten Ort" gibt es nicht, er entsteht im besten Fall "von unten", anlässlich einer spezifischen Situation vor Ort, orientiert an lokalen Bedarfen und Ressourcen und/oder durch engagierte Personen bzw. Einrichtungen. Als Rahmen gilt: ein "Dritter Ort" im Sinne des Förderprogramms ist

  1. ein Ort der Kultur (und Bildung),
  2. ein Ort der Begegnung,
  3. ein Ort der Vernetzung.

Weitere Merkmale, die bei der Konzeptentwicklung berücksichtigt werden sollten, finden sich in der Anlage zu den Ausschreibungsunterlagen unten im Downloadbereich.

Der Begriff "Dritter Ort" hat seinen Ursprung in der amerikanischen Soziologie und bezeichnet neben dem Wohnort als dem "Ersten Ort", der Arbeitsstätte als dem "Zweiten Ort", einen öffentlichen Ort, an dem man gern und regelmäßig verweilt, sich informell und zwanglos und in angenehmer Atmosphäre begegnet und austauscht.

Als ländlicher Raum im Sinne des Förderprogramms gilt die – weit gefasste – Gebietskulisse des NRW-Programms "Ländlicher Raum 2014-2020", das den Begriff für Nordrhein-Westfalen definiert. Sie wurde vom Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (MULNV) entwickelt und wird auch für andere Förderprogramme angewendet. Die Antragsteller müssen in ihrer Bewerbung einen besonderen Bedarf bzw. eine besondere Funktion (z.B. regionaler Ankerpunkt) aufgrund ihrer Lage im ländlichen Raum darstellen bzw. können innovative und kooperative Ansätze für die kulturelle Infrastruktur beschreiben.

Zur Herleitung der Gebietskulisse gibt das unten beigefügte Papier "Herleitung der Gebietskulisse NRW-Programm „Ländlicher Raum“" des MULNV nähere Informationen.

Ja, die Phase 2 steht sowohl den geförderten Projekten der Phase 1 offen als auch Projekten, die ohne Landesförderung bis zum 31.08.2020 ein tragfähiges Konzept entwickelt haben. Es ist geplant, parallel zur Phase 1 regionale Workshops zum Wissenstransfer und Austausch anzubieten, die allen Einrichtungen oder Initiativen offen stehen.

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Programmbüro "Dritte Orte"

c/o startklar a+b GmbH
Ruhrstr. 18
58239 Schwerte
E-Mail: info [at] dritteorte.nrw

Ministerium für Kultur und Wissenschaft

  • Andrea Hankeln
    Tel.:0211 896-4825
    E-Mail: andrea.hankeln [at] mkw.nrw.de
  • Sonja Knauth
    Tel.:0211 896-4850
    E-Mail: sonja.knauth [at] mkw.nrw.de

  • Julia Sernicki
    Tel.:0211 896-4827
    E-Mail: julia.sernicki [at] mkw.nrw.de