Musikverbände mit Vertreterinnen und Vertretern von Musikschulen, Schulen, Hochschulen, Politik und Verwaltung treffen sich im Orchesterzentrum Dortmund
Musik gehört zu unseren wichtigsten Kulturgütern. In ganz Deutschland besuchen rund 1,5 Millionen junge Menschen eine Musikschule. Allein in Nordrhein-Westfalen lernen mehr als 350.000 Schülerinnen und Schüler an einer der 159 öffentlichen und einer Vielzahl privater Musikschulen ein Instrument. An weiterführenden Schulen gibt es einen Bedarf von 51.000 Wochenstunden Musikunterricht. Mehr als 40 Prozent der Musiklehrer sind allerdings heute älter als 50 Jahre.
Damit die Ausbildung junger Musikerinnen und Musiker angesichts der demographischen Entwicklung auch in Zukunft gesichert ist, hat Kulturministerin Ina Brandes jetzt zu einer ersten Fachkräftetagung für die Musikpädagogik eingeladen. Im Orchesterzentrum Dortmund treffen sich am Montag, 7. September, Vertreterinnen und Vertretern von Musikschulen, Schulen, Hochschulen, Politik und Verwaltung um Zukunftsstrategien für den Musikunterricht in Nordrhein-Westfalen zu entwickeln.
„Je früher wir Kinder und Jugendliche mit musikalischer Ausbildung in Berührung bringen, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass sie einen Schatz gewinnen, der sie ein Leben lang begleitet. Musikschulen, Chöre und Musik-vereine und der Musikunterricht an unseren Schulen leisten einen unschätzbaren Beitrag, die Begeisterung für Musik an junge Menschen weiterzugeben. Um dieses so wichtige Kulturgut zu bewahren, brauchen dringend gut ausgebildete Musiklehrerinnen und -lehrer, die Kindern und Jugendlichen Lust auf Musik machen. Die erste Fachkräftetagung für die Musikpädagogik ist der Auftakt, gemeinsam mit allen Beteiligten Strategien für die Zu-kunft des Musikunterrichts in Nordrhein-Westfalen zu entwickeln.“
Die herausfordernde Situation in der Musikpädagogik wird in zwei aktuellen Studien deutlich. Die MULEM-EX-Studie (2024) und die darauf aufbauende MiKADO-Musik-Studie (2025) kommen zum Ergebnis, dass in Deutschland und Österreich in Zukunft sehr viele Musikpädagoginnen und -pädagogen sowohl an Schulen als auch in Musikschulen gebraucht werden. Im Bereich der Musikschulen gehen die Studien davon aus, dass 75 Prozent der freiwerdenden Stellen nicht mehr besetzt werden können.
Mit Pilotprojekten in Heinsberg, Detmold und Wuppertal werden in Nordrhein-Westfalen bereits innovative Wege beschritten, wie mehr jungen Menschen Lust auf die Arbeit in der Musikvermittlung gemacht werden kann. So wurde in Wuppertal die freiwillige Leistungsüberprüfung „SONO“ eingeführt. 320 (im Vorjahr 250) Leistungsabzeichen mit insgesamt zehn Stufen wurden abgelegt. Zudem gibt es erste Überlegungen mit der Bergischen Universität Wuppertal, Teile der „SONO“-Theorieprüfungen für das Lehramtstudium anzuerkennen.
In Heinsberg wurde unter Begleitung der Robert Schumann Hochschule ein Musikwettbewerb initiiert, an dem einzelne Musikerinnen und Musiker und Ensembles aller Altersgruppen teilnehmen konnten. Im Ergebnis konnten die Anmeldezahlen für den Wettbewerb „Jugend musiziert“ in der Modellregion verdreifacht werden.
In Detmold haben die Musikschule und die Hochschule für Musik einen Fragebogen für Schülerinnen und Schüler an weiterführenden Schulen entwickelt, um dort Anlaufstellen und Unterstützungen für verschiedene Altersgruppen und Entwicklungsstufen anzubieten, wo sie nachgefragt werden. Daraus entstanden ist zum Beispiel ein Modell der Übe-Begleitung, die in den Schulalltag integriert ist. Dafür werden Lehrkräfte, Studierende und Schülerinnen und Schüler einbezogen, um den Nachwuchs in der Musikpädagogik direkt zu stärken.
Die Tagung in Dortmund richtet sich an alle, die an der Ausbildung von Musiklehrerinnen und -lehrern sowie Musikschülerinnen und -schülern beteiligt sind: Musikverbände, Leitungen von Musikschulen, Vertreterinnen und Vertretern aus Schule und Hochschule, Kulturdezernentinnen der Bezirksregierungen sowie an die zuständigen Mitarbeitenden aus dem Ministerium für Schule und Bildung, dem Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration und dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft. Eingeladen sind zudem die Sprecherinnen und Sprecher des Ausschusses für Kultur und Medien. In Workshops und Diskussionsrunden sollen Best-Practice-Beispiele vorgestellt werden, wie junge Menschen für die Musikpädagogik begeistert werden können.
Die Fachkräftetagung ist der der Auftakt für einen stetigen Austausch, um gezielt mehr junge Menschen zu Musikpädagoginnen und -pädagogen für die Arbeit in Schulen, Musikschulen, Chören und Musikvereinen zu gewinnen und auszubilden.