KULTUR UND WISSENSCHAFT

IN NORDRHEIN-WESTFALEN

Nach über 100 Jahren wird das Werk von Marian Ruzamski erstmals wieder in seiner polnischen Heimat gezeigt

10.04.2026
Thema: Kultur

Kulturministerin Ina Brandes zur Ausstellungseröffnung und Kranzniederlegung in Krakau und Auschwitz-Birkenau

Der Holocaust und die Verbrechen der Nazi-Diktatur prägen die deutsch-polnische Geschichte – auch 80 Jahre nach dem Ende der Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus. Die Erinnerung an die Gräuel gehört ebenso zur Erinnerungskultur wie der klare Auftrag, die Aussöhnung als bleibende Aufgabe anzunehmen. Gerade Kunst und Kultur sind wichtige Brückenbauer und erleichtern den freundschaftlichen Dialog zwischen Deutschland und Polen.

Als starkes Zeichen der Völkerverständigung wurde jetzt im Beisein von Kulturministerin Ina Brandes die Ausstellung „Marian Ruzamski. Kunst der Erinnerung“ im Palast der Kunst in Krakau eröffnet. Die Schau widmet sich dem Werk Ruzamskis, der während der deutschen Besatzung in Auschwitz inhaftiert war. 2025 hatte Dr. Jürgen Kaumkötter, Leiter des Zentrums für verfolgte Künste in Solingen, in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Tadeusz Zych, dem Direktor des Tarnowski Schloss-Museums Tarnobrzeg, die Ausstellung konzipiert und in Nordrhein-Westfalen erstmals ausgestellt. Nach über 100 Jahren werden die Werke Ruzamskis nun wieder in seiner Heimat in Krakau gezeigt.


Ministerin Ina Brandes

„Das unendliche Leid, das Nazi-Deutschland über Polen gebracht hat, können wir nicht ungeschehen machen. Gleichwohl können wir aus der Geschichte lernen. Als Deutsche haben wir eine besondere Verantwortung, die Erinnerung lebendig zu halten und gleichzeitig Versöhnung erfahrbar zu machen. Das gelingt der Kunst mit ihrer universellen Sprache in besonderer Weise und zeigt uns, dass Europa mehr ist als Verträge und Institutionen. Europa lebt von Menschen, die die europäische Idee mit Leben füllen.“

Kulturministerin Ina Brandes

Przemysław Witek, Direktor des Palastes der Kunst: „Diese Ausstellung mit insgesamt 150 Werken von Marian Ruzamski ist von immenser historischer Bedeutung und dient als bewegendes Zeugnis für die Kraft der Kunst im Kampf gegen Völkermord und Barbarei. Ich freue mich sehr darüber, Marian Ruzamskis Werk im Palast der Schönen Künste in Krakau präsentieren zu dürfen. Mein ganz besonderer Dank gilt der fruchtbaren Zusammenarbeit mit dem Museum in Solingen, die diese Ausstellung erst möglich gemacht hat und natürlich Initiator Marian Turski, der wie Ruzamski in Auschwitz inhaftiert war und im vergangenen Jahr gestorben ist.“


Dr. Jürgen Kaumkötter, Direktor des Museums Zentrum für verfolgte Künste in Solingen: „Die Ausstellung zu Marian Ruzamski ist aus der Zusammenarbeit polnischer und deutscher Institutionen hervorgegangen. Sie führt sein Werk in den Palast der Kunst zurück, an den Ort seiner großen Erfolge, und macht es dort nach über hundert Jahren wieder sichtbar. In seiner Kunst begegnet uns eine Menschlichkeit, die selbst in der dunkelsten Stunde der Geschichte nicht erlosch – und die uns bis heute Hoffnung gibt.“


Marian Ruzamski, am 2. Februar 1898 als Sohn einer französisch-stämmigen Jüdin und eines polnischen Notars geboren, wurde 1943 während der deutschen Besatzung Polens als Jude und Homosexueller denunziert, nach Auschwitz deportiert und später nach Bergen-Belsen verschleppt. Dort starb er kurz vor Ende des Krieges am 8. März 1945.

Obwohl Ruzamskis Leben von Krieg, Gewalt und Verfolgung geprägt ist, überraschen viele seine Bilder mit Alltagszenen voller Harmonie und Leichtigkeit. Über 130 Kunstwerke aus allen Schaffensphasen Ruzamskis werden nun in einer großen Gesamtschau in Krakau gezeigt, darunter auch die eindrücklichen Porträts aus der „Auschwitz-Mappe“. Die 47 Bilder entstanden unter lebensgefährlichen Bedingungen und zeigen Porträts von Mithäftlingen und Lagerärzten. Sie stehen für den tragischen Höhepunkt seines Schaffens – ein Denkmal gegen das Vergessen.

Neben der Ausstellungseröffnung trifft sich Ministerin Brandes auf der dreitägigen Polen-Reise auch mit Iwona Gibas aus dem Vorstand der Woidwodschaft Kleinpolen, die dort zuständig für die Kulturfragen ist. Zudem wird Ministerin Brandes an der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau einen Kranz niederlegen und der Opfer des Nationalsozialismus gedenken.