KULTUR UND WISSENSCHAFT

IN NORDRHEIN-WESTFALEN

Nordrhein-westfälische Nachwuchswissenschaftlerin mit Heinz Maier-Leibnitz-Preis geehrt

26.03.2026

Dr. Isabel Mira Oldengott forscht an der Universität Bielefeld zum Phänomen verschwindender Antimaterie

Die theoretische Physikerin Dr. Isabel Mira Oldengott von der Universität Bielefeld ist eine von zehn bundesweit vielversprechenden Nachwuchsforscherinnen und -forschern, die den renommierten Heinz Maier-Leibnitz-Preis erhalten. Er gilt als wichtigste Auszeichnung zur Unterstützung junger Forschungskarrieren in Deutschland. Am Donnerstag, 26. März 2026, hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ihre Auswahl bekanntgegeben. In diesem Jahr wurden 156 Nominierungsvorschläge bei der DFG eingereicht. Die zehn Ausgezeichneten erhalten ein Preisgeld in Höhe von jeweils 200.000 Euro und werden am 11. Juni 2026 in Berlin geehrt.

Als theoretische Physikerin ist Dr. Isabel Mira Oldengott an der Schnittstelle von Elementarteilchenphysik und Kosmologie aktiv und bewegt sich damit zwischen den kleinsten und den größten Skalen des Universums.


Ministerin Ina Brandes

„In Nordrhein-Westfalen finden junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein hervorragendes Umfeld für exzellente Forschung in ganz unterschiedlichen Fachgebieten. Die Auszeichnung von Isabel Mira Oldengott zeigt, wie starke Grundlagenforschung dazu beiträgt, die fundamentalen Rätsel unseres Universums zu lösen. Meinen herzlichen Glückwunsch an Dr. Oldengott zu dieser herausragenden Leistung.“

Wissenschaftsministerin Ina Brandes

Die Frage nach Materie oder Antimaterie ist eines der noch immer ungelösten Rätsel über den Ursprung unseres Universums. Warum existieren Dinge und nicht einfach Nichts? Nach dem Urknall sollten Materie und Antimaterie eigentlich in exakt gleichen Mengen entstanden sein. Ein solches perfektes Gleichgewicht hätte dazu führen müssen, dass sich alle Teilchen gegenseitig auslöschen, einhergehend mit einer Energieexplosion. Somit gäbe es keine Sterne, Planeten oder Leben. Doch heute besteht das Universum fast ausschließlich aus Materie, also unserer Welt zum Anfassen.

Bislang konnte die Physik nicht erklären, warum die Antimaterie bereits kurz nach dem Urknall nahezu vollständig verschwunden ist. Die Arbeiten von Dr. Isabel Mira Oldengott könnten einen Paradigmenwechsel einleiten. Denn sie betrachtet mögliche Asymmetrien zwischen Teilchen und Anti-Teilchen im Universum. Klar ist, dass die Unterschiede vorwiegend im Vorzeichen der Ladung und den magnetischen Eigenschaften liegen. Der Bielefelder Physikerin ist nun eine methodisch innovative Berechnung gelungen, die die Dominanz von Materie über Antimaterie in unserem Universum mit einem Phasenübergang im Bereich der starken Wechselwirkung verknüpft. Das passiert, wenn die Bausteine der Atomkerne ihre individuellen Grenzen verlieren und in eine Art Suppe mit anderen Teilchen übergehen – wie unmittelbar nach dem Urknall.

Dr. Isabel Mira Oldengott hat an der RWTH Aachen studiert und anschließend an der Universität Bielefeld promoviert. Zwischenzeitig arbeitete sie als Postdoc an der spanischen Universität von Valencia und der belgischen Université catholique de Louvain, bevor die Universität Bielefeld sie unter anderem für die Mitarbeit in einem Sonderforschungsbereich zurückgewinnen konnte. Sie hat sich auch bereits einen Namen im Bereich der Forschung zu Neutrino-Eigenschaften, also im Labor kaum untersuchbaren Elementarteilchen, gemacht. Zudem wendet sie modernste Computeralgorithmen und statistisch-numerische Verfahren an. Daneben engagiert sie sich in der Wissenschaftskommunikation, in Workshops für Schülerinnen und Schüler und hat für die Wissens-werkstatt Bielefeld das Escape Game COSMOmission mitentwickelt.

Hintergrund

Benannt nach dem Physiker und früheren DFG-Präsidenten Heinz Maier-Leibnitz wird der Preis seit 1977 jährlich an herausragende junge Forscherinnen und Forscher verliehen. Die Förderung wird nur auf Vorschlag Dritter gewährt; eine Eigenbewerbung ist nicht möglich. Der Heinz Maier-Leibnitz-Preis wurde von den bedeutendsten deutschen Forschungseinrichtungen zum drittwichtigsten Wissenschaftspreis nach dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der DFG und dem Deutschen Zukunftspreis des Bundespräsidenten gekürt. Für den wissenschaftlichen Nachwuchs ist das sogar der wichtigste Preis in Deutschland. Das Preisgeld in Höhe von jeweils 200.000 Euro soll bis zu drei Jahre lang den Ausbau der wis-senschaftlichen Karrieren unterstützen.


Weitere Informationen zum Heinz Maier-Leibnitz-Preis finden Sie hier: https://www.dfg.de/de/gefoerderte-projekte/wissenschaftliche-preise/leibnitz-preis