KULTUR UND WISSENSCHAFT

IN NORDRHEIN-WESTFALEN

Nordrhein-Westfalen-Plan – 113 Millionen Euro für exzellente Physik an der Universität Bonn

27.05.2026

Physikalisches Institut erhält Infrastruktur auf Spitzenniveau

Insgesamt 2,3 Milliarden Euro aus dem Nordrhein-Westfalen-Plan für gute Infrastruktur stehen für den Bereich Hochschule, Forschung, Lehre und Transfer bereit. Aus dem größten Investitionsprogramm in der Geschichte des Landes wird unter anderem die Bonner Physik auf Exzellenzniveau gestärkt: 113 Millionen Euro fließen in die Modernisierung und Erneuerung des Physikalischen Instituts an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Die Physik ist an drei der acht Bonner Exzellenzcluster beteiligt, die seit Januar 2026 gefördert werden. Damit verfügt Bonn über eine deutschlandweit einzigartige Konzentration physikalischer Spitzenforschung. Eine Fertigstellung der Gebäude ist aktuell für 2033 vorgesehen.

Kultur- und Wissenschaftsministerin Ina Brandes überreichte am Dienstag, 26. Mai 2026, die Finanzierungszusage für die Bonner Physik an den Rektor Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Hoch. Die Mittel in Höhe von 113 Millionen Euro stammen vollständig aus dem Nordrhein-Westfalen-Plan für gute Infrastruktur.


Ministerin Ina Brandes MdL sitzend vor einer Pressewand

„Exzellente Forschung braucht exzellente Infrastrukturen. Schlüsseltechnologien wie Quantenphysik oder Photonik bringen den Menschen unter anderem moderne Medizingeräte oder die Weiterentwicklung von Quantencomputern, die auch eine sichere Verschlüsselung von Daten ermöglichen. Die Exzellenzuniversität Bonn und das Physikalische Institut stehen für Spitzenforschung ‚made in NRW‘. Hier wird auch der Nachwuchs ausgebildet, der in Wissenschaft und Industrie dringend gebraucht wird. Mit der Investition aus dem NRW-Plan sichern wir die Zukunft der Bonner Physik und werden unsere technologische Unabhängigkeit in Europa weiter stärken.“

Kultur- und Wissenschaftsministerin Ina Brandes

Rektor Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Hoch: „Die Bonner Physik steht für Spitzenforschung von Weltrang und bildet die Top-Talente aus, die Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft für die Technologien der Zukunft dringend brauchen. Von der außergewöhnlichen Stärke des Standorts zeugen nicht zuletzt drei Physik-Exzellenzcluster – das ist deutschlandweit einzigartig. Mit der heutigen Zusage, die infrastrukturellen Rahmenbedingungen hierfür umfassend zu fördern, setzt das Land ein klares und verlässliches Bekenntnis zur exzellenten Forschung und Lehre. Zugleich stärkt es maßgeblich die weitere Entwicklung der Universität Bonn, Deutschlands erfolgreichster Universität in der Exzellenzstrategie, auf ihrem Weg in die Weltspitze. Dafür danken wir der Landesregierung und insbesondere Ministerin Ina Brandes von ganzem Herzen.“


In den kommenden Jahren soll ein modernes Labor- und Werkstattgebäude anstelle des ab 1913 errichteten Physikalischen Instituts entstehen. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude wird Platz für den historischen Hörsaal, Seminar- und Besprechungsräume, die Fachbereichsbibliothek, die Institutsverwaltung sowie Büroarbeitsplätze für zahlreiche Forschungsgruppen des Physikalischen Instituts bieten. Hochtechnisierte Nutzungen wie z.B. Labore werden in einem Ersatzneubau untergebracht. Hier wird in den Hauptbereichen Teilchenphysik, kondensierte Materie und Photonik sowie Beschleunigerphysik international anerkannte Spitzenforschung betrieben. Das größte Teilgebiet der kondensierten Materie umfasst dabei sowohl die Festkörperphysik als auch die Atomphysik. Grundlagenforschung in diesen beiden Bereichen ist beispielsweise zur Entwicklung von Quantencomputern notwendig. Insgesamt werden mit den Mitteln aus dem Nordrhein-Westfalen-Plan rund 4.100 m² Nutzungsfläche erneuert und modernisiert.

Die Bonner Physik hat eine lange Tradition und zählt zu den prägenden und international renommierten Wissenschaftsbereichen der Universität. Mit der Berufung des späteren Nobelpreisträgers Wolfgang Paul entwickelte sich Bonn seit den 1950er Jahren zu einem international sichtbaren Zentrum der Teilchen- und Beschleunigerphysik. Bonner Physikerinnen und Physiker waren und sind an zentralen internationalen Großprojekten beteiligt, darunter Experimenten an der Europäischen Organisation für Kernforschung CERN und am Deutschen Elektronen-Synchrotron DESY. Ein gemeinsames Ziel der Physik ist es auch, die Lehre im Fachbereich weiterzuentwickeln und junge Menschen für die Naturwissenschaften zu begeistern.

Physikalische Exzellenz an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Als Exzellenzuniversität mit acht Exzellenzclustern nimmt Bonn deutschlandweit eine herausragende Position ein. Rund 31.000 Studentinnen und Studenten profitieren von der Vielfalt der Forschung und Lehre an sieben Fakultäten und sechs transdisziplinären Forschungsbereichen. Die Bonner Physik verbindet Grundlagenforschung mit technologischer Innovation, etwa in der Detektorphysik, Quantentechnologie und datenintensiven Astrophysik. Das Physikalische Institut ist in drei Bonner Exzellenzcluster involviert – ML4Q, DYNAVERSE und Color Meets Flavor. ML4Q hat seinen Schwerpunkt in der Grundlagenforschung zu zukünftigen Quantentechnologien, die langfristig etwa in der Materialforschung, Medizin oder bei komplexen Simulationen neue Möglichkeiten eröffnen sollen. DYNAVERSE untersucht den Ursprung des Universums, wie daraus die Erde entstand und welche Weiterentwicklung erwartbar ist. Color Meets Flavor beschäftigt sich mit den kleinsten Bausteinen des Universums bis zur Frage, warum überhaupt etwas existiert.

Zukunftsinvestitionen für Hochschulen, Hochschulmedizin und Forschungseinrichtungen

Aus dem Nordrhein-Westfalen-Plan für gute Infrastruktur stehen insgesamt 2,3 Milliarden Euro für die Bereiche Hochschulen, Hochschulmedizin und Forschung zur Verfügung. Mit dem Geld werden Investitionen finanziert, die auf die großen Zukunftsthemen einzahlen und den Forschungs- und Wissenschaftsstandort Nordrhein-Westfalen nachhaltig stärken und nach vorne bringen: Künstliche Intelligenz, Digitalisierung, die Bekämpfung der großen Volkskrankheiten sowie Energieeffizienz und Nachhaltigkeit. Gefördert werden hochwirksame Investitionen, die maximale Wirkung entfalten können und deren Finanzierung aus dem laufenden Haushalt nicht vorgesehen war.

Hintergrund Nordrhein-Westfalen-Plan für gute Infrastruktur

Der Nordrhein-Westfalen-Plan für gute Infrastruktur ist das größte Infrastruktur- und Investitionsprogramm in der Geschichte des Landes. Über einen Zeitraum von zwölf Jahren stellen Bund und Land insgesamt rund 31,2 Milliarden Euro für Investitionen bereit. Ergänzend garantiert die Landesregierung den Kommunen für insgesamt zwölf Jahre die Höhe der Investitionspauschalen im Gemeindefinanzierungsgesetz (GFG) und stellt damit weitere 27,6 Milliarden Euro an Investitionsmitteln bereit. Sollten die Steuereinnahmen sinken, werden die Pauschalen aus Mitteln des Landeshaushalts aufgestockt. Zusätzlich entlastet das Land die Kommunen durch eine anteilige Übernahme kommunaler Altschulden.

Aus dem Nordrhein-Westfalen-Plan entfallen rund 21,3 Milliarden Euro auf die Kommunen, während knapp 10 Milliarden Euro in die Infrastruktur des Landes investiert werden. Schwerpunkte des Programms sind insbesondere der Ausbau und die Modernisierung von Kitas und Schulen sowie der Verkehrsinfrastruktur. Darüber hinaus sind Investitionen in Gesundheitsversorgung, energetische Sanierung und Klimaschutz, Sport, Digitalisierung sowie in Wirtschaft, Forschung und Wissenschaft vorgesehen. Grundlage der Finanzierung sind neben Landesmitteln dem Land zustehende Mittel aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaschutz, aus dem Nordrhein-Westfalen rund 21,1 Milliarden Euro erhält.

Insgesamt soll der Nordrhein-Westfalen-Plan dazu beitragen, bestehende Investitionsrückstände abzubauen, wichtige Infrastruktur zu modernisieren und neue Projekte schneller umzusetzen. Städte, Gemeinden und weitere Träger erhalten damit verlässliche Rahmenbedingungen, um zentrale Vorhaben vor Ort anzustoßen und Infrastruktur langfristig zu stärken.