Nordrhein-Westfalen verbindet Exzellenz in Onkologie mit Künstlicher Intelligenz
Jährlich erhalten landesweit mehr als 125.000 Menschen die lebensverändernde Diagnose Krebs. Nordrhein-Westfalen setzt ein starkes Zeichen im Kampf gegen die Volkskrankheit. Das Land investiert 200 Millionen Euro aus dem Nordrhein-Westfalen-Plan für gute Infrastruktur, dem größten Investitionsprogramm in der Geschichte des Landes, in ein neues standortübergreifendes Forschungscluster. AI4CancerCure.NRW vereint die Exzellenz von Krebsforschung (Onkologie) und Künstlicher Intelligenz aus der nordrhein-westfälischen Universitätsmedizin. Die Universitätsklinika in Aachen, Bochum, Bonn, Düsseldorf, Essen, Köln und Münster werden zukünftig unter Beteiligung der TU Dortmund an der Entwicklung innovativer Krebstherapeutika besser vernetzt zusammenarbeiten.
Ministerpräsident Hendrik Wüst und Wissenschaftsministerin Ina Brandes gaben den Startschuss für das Projekt und überreichten am Freitag, 4. September 2026, die Förderzusage stellvertretend für das Konsortium an Prof. Dr. Michael Hallek von der Universitätsklinik Köln. Zum feierlichen Auftakt sind zahlreiche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller beteiligten Standorte sowie Vertreterinnen und Vertreter der Universitätsklinika, der Universitäten und der Fachbereiche Medizin gekommen.
„Nordrhein-Westfalen ist ein Hotspot der KI-gestützten Krebsforschung. Durch Spitzenforschung und innovative Therapien aus unserem Land können immer mehr Menschen geheilt werden. Mit dem Nordrhein-Westfalen-Plan für gute Infrastruktur legen wir auch die Grundlage dafür, dass wir Innovation und Zukunftstechnologien noch mehr ausbauen können. Über zwei Milliarden Euro gehen direkt an die Hochschulen, die Hochschulmedizin und Forschung, damit dort noch effizienter an Lösungen für die Zukunft gearbeitet werden kann. Mit AI4Cancer-Cure.NRW schaffen wir ein großes landesweites Exzellenz-Netzwerk Krebsmedizin und führen die Krebsforschung noch enger mit Spitzen-KI-Forschung zusammen. Schritt für Schritt kommen wir so unserem Ziel näher, die Volkskrankheit Krebs zu besiegen.“
„Wir investieren das Geld aus dem Nordrhein-Westfalen-Plan für gute Infrastruktur konsequent in die großen Zukunftsthemen. Der Kampf gegen die Geißel Krebs ist eines der drängendsten Anliegen, verändert eine Krebsdiagnose doch jedes Jahr das Leben Hunderttausender Menschen in Nordrhein-Westfalen. Mit AI4CancerCure.NRW schaffen wir einen sicheren Datenraum und verzahnen mit dem Einsatz von KI systematisch die Bereiche Krebsbiologie, datengetriebenes Wirkstoff-Design, Diagnostik mit Hilfe von Bildern und Daten und schnelle Entwicklung von Medizinprodukten. Das hat einen konkreten Nutzen für Patientinnen und Patienten. Krebs kann früher erkannt werden, präzise Verlaufsprognosen der Erkrankung werden möglich und personalisierte Therapien werden deutlich weniger Nebenwirkungen haben. Zudem werden Patientinnen und Patienten dauerhaft und strukturell in die Forschung eingebunden. Denn erfolgreiche Krebsforschung gelingt nur gemeinsam mit den Betroffenen. Ich bin stolz und dankbar, dass wir mit AI4CancerCure.NRW der Heilung von Krebs einen großen Schritt näherkommen werden.“
Prof. Dr. Michael Hallek, Koordinator des Konsortiums AI4Cancer-Cure.NRW, Universität zu Köln: „Ich bin davon überzeugt, dass wir mit dem gleichen Enthusiasmus nun in die Umsetzung starten. Wir sind dankbar, dass wir diesen Weg weiter gemeinsam beschreiten dürfen. Mit der Bündelung unserer komplementären Kompetenzen in AI4CancerCure.NRW tragen wir maßgeblich zur wissenschaftlichen Exzellenz, zu einer nachhaltigen Forschungs- und Dateninfrastruktur, zur wirtschaftlichen Entwicklung und zur internationalen Sichtbarkeit Nordrhein-Westfalens und damit dem gemeinsamen Ziel der bestmöglichen Versorgung unserer Patientinnen und Patienten bei.“
Neue Medikamente und die konsequente Weiterentwicklung der Krebs-Prävention gehören zu den wichtigsten Herausforderungen der modernen Medizin. Künstliche Intelligenz und datengetriebene Methoden können die Identifikation, Entwicklung und klinische Prüfung neuer Wirkstoffe immens beschleunigen und die personalisierte Vorbeugung und Früherkennung ermöglichen. Dafür wird AI4CancerCure.NRW die bereits vorhandene Expertise in Onkologie, Künstlicher Intelligenz, Wirkstoffentwicklung, Bildgebung, Datenwissenschaften und klinischer Forschung bündeln. Alle Standorte sollen durch eine leistungsfähige virtuelle Infrastruktur, etwa Hochgeschwindigkeitsdatenleitungen und aufeinander abgestimmte Datenbanken, nahtlos miteinander verbunden werden, damit ein ortsunabhängiger Zugriff auf Forschungsdaten und Algorithmen, also errechneten Lösungsvorschlägen, in Echtzeit erfolgen kann. Dabei werden mithilfe von KI biologische Zielstrukturen festgelegt, an die der neue Arzneistoff bindet, um eine therapeutische Wirkung zu erzielen. Zudem kann das personalisierte Risiko mit KI berechnet werden, sodass Prävention und Früherkennung erleichtert werden. Auch eine ethisch-rechtliche Begleitung ist vorgesehen, bei denen medizinische Machbarkeit, der Patientenwille und rechtliche Vorgaben insbesondere in komplexen Krankheitsverläufen abgewogen werden.
Mit AI4CancerCure.NRW positioniert sich Nordrhein-Westfalen als national und international führender Standort für datengetriebene und KI-gestützte personalisierte Früherkennung, Diagnostik und Therapie im Bereich der Onkologie. Um Forschungsergebnisse schnell in Produkte, Ausgründungen und Kooperationen überführen zu können, ist die enge Anbindung an die Gesundheitswirtschaft in Nordrhein-Westfalen eine zentrale Ausrichtung des Clusters.
Zukunftsinvestitionen für Hochschulen, Hochschulmedizin und Forschungseinrichtungen
Aus dem Nordrhein-Westfalen-Plan für gute Infrastruktur stehen insgesamt 2,3 Milliarden Euro für die Bereiche Hochschulen, Hochschulmedizin und Forschung zur Verfügung. Mit dem Geld werden Investitionen finanziert, die auf die großen Zukunftsthemen einzahlen und den Forschungs- und Wissenschaftsstandort Nordrhein-Westfalen nachhaltig stärken und nach vorne bringen: Künstliche Intelligenz, Digitalisierung, die Bekämpfung der großen Volkskrankheiten sowie Energieeffizienz und Nachhaltigkeit. Gefördert werden hochwirksame Investitionen, die maximale Wirkung entfalten können und deren Finanzierung aus dem laufenden Haushalt nicht vorgesehen war.
Hintergrund Nordrhein-Westfalen-Plan für gute Infrastruktur
Mit insgesamt 60 Milliarden Euro in den kommenden zwölf Jahren ist der Nordrhein-Westfalen-Plan für gute Infrastruktur das größte Investitionsprogramm in der Geschichte des Landes. Zusätzlich entlastet das Land die Kommunen unter anderem durch eine anteilige Übernahme kommunaler Altschulden.
Aus dem Nordrhein-Westfalen-Plan entfallen rund 21,3 Milliarden Euro auf die Kommunen, während knapp 10 Milliarden Euro in die Infrastruktur des Landes investiert werden. Schwerpunkte des Programms sind insbesondere der Ausbau und die Modernisierung von Kitas und Schulen sowie der Verkehrsinfrastruktur. Darüber hinaus sind Investitionen in Gesundheitsversorgung, energetische Sanierung und Klimaschutz, Sport, Digitalisierung sowie in Wirtschaft, Forschung und Wissenschaft vorgesehen. Grundlage der Finanzierung sind neben Landesmitteln dem Land zustehende Mittel aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaschutz, aus dem Nordrhein-Westfalen rund 21,1 Milliarden Euro erhält, sowie Kompensationsmittel für Steuerausfälle aus dem steuerlichen Investitionssofortprogramm des Bundes.