KULTUR UND WISSENSCHAFT

IN NORDRHEIN-WESTFALEN

Nordrhein-Westfalen-Plan: Landtag beschließt Investitionsoffensive für Künstliche Intelligenz in der Robotik

18.09.2026

Bis zu 100 Millionen Euro für landesweites Projekt KIRO.NRW

Roboter, die Menschen in ihrem Zuhause oder im öffentlichen Raum, beispielsweise in Bibliotheken und Ämtern, unterstützen. Am Körper getragene Stützstrukturen – sogenannte Exoskelette – die Patientinnen und Patienten nach Operationen helfen, wieder laufen zu lernen. Oder Logistik-Roboter, die den Warenverkehr deutlich verbessern. All das soll bald Alltag werden. Hierfür muss unter anderem erforscht werden, wie Roboter dynamische Umgebungen wahrnehmen, Gelerntes auf neue Situationen übertragen und wie sie sich möglichst einfach und sicher bedienen lassen.

Mit dem neuen Projekt „Infrastruktur für Forschung und Transfer in KI-basierter Robotik“ (KIRO.NRW) will Nordrhein-Westfalen eine national wie international wettbewerbsfähige Infrastruktur zu Künstlicher Intelligenz in der Robotik aufbauen, um durch Investitionen in Spitzenforschung den Transfer in marktfähige Innovationen zu beschleunigen. Das landesweite Konsortium unter der Koordination der Universität Bonn plant den Projektstart bis Ende 2026.

Am Mittwoch, 16. September 2026, hat der Landtag die Landesregierung auf Antrag der regierungstragenden Fraktionen beauftragt, den Aufbau der neuen Infrastruktur für KI-basierte Robotik mit bis zu 100 Millionen Euro aus dem „Nordrhein-Westfalen-Plan für gute Infrastruktur“ zu fördern. Der Nordrhein-Westfalen-Plan ist mit 60 Milliarden Euro das größte Investitionsprogramm in der Geschichte des Landes. Kultur- und Wissenschaftsministerin Ina Brandes hat am Mittwochabend im Plenum zur Bedeutung des Projekts und der Spitzentechnologie Stellung genommen.


Ministerin Ina Brandes MdL sitzend vor einer Pressewand

„Nordrhein-Westfalen hat eine europaweit einzigartige Dichte an leistungsstarken Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Sie leisten einen unschätzbaren Beitrag auf Nordrhein-Westfalens Weg zum führenden KI-Land. Als Landesregierung fördern wir konsequent die Zukunftstechnologien – auch um unabhängiger von Staaten zu werden, die unsere Werte nicht teilen. KIRO.NRW ist ein wichtiger Baustein zu mehr technologischer Souveränität. Die beteiligten Einrichtungen werden noch enger zusammenarbeiten, ihre wissenschaftliche Exzellenz und Innovationsstärke weiter ausbauen. Davon profitieren die Menschen unmittelbar, wenn sie etwa präzisere Operationen und robotergestützte Therapien oder effizientere Baustellen erhalten. Ich freue mich daher sehr, dass der Landtag das Projekt unterstützt.“

Wissenschaftsministerin Ina Brandes

Die nordrhein-westfälische Hochschul- und Forschungslandschaft ist im Bereich KI-basierte Robotik bereits sehr gut aufgestellt. Unter KIRO.NRW haben sich acht führende Forschungsstandorte zusammengeschlossen. Neben der koordinierenden Universität Bonn sind die RWTH Aachen, TU Dortmund, Universität Bielefeld, Universität Duisburg-Essen, TH Köln, Fraunhofer-Institut IML Dortmund und Fraunhofer-Institut IAIS St. Augustin beteiligt. Konkret geplant ist die Errichtung von vier themengebundenen und standortübergreifend vernetzten Reallaboren: „KI-basierte Servicerobotik in Alltagsumgebungen“, „Produktion und Logistik“, „Medizin/Gesundheit“ sowie „Field Robotics“ (Landwirtschaft und Bauwesen). Mit dem Projekt wird zugleich die Basis gelegt, um neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, neue Produktionslinien aufzubauen und die Qualifizierung von Fachkräften im Bereich KI und Robotik voranzutreiben.

Durch den Zusammenschluss der acht Standorte in vier dezentralen Reallaboren ergeben sich viele Vorteile. Beispielsweise wird durch die gemeinsame Bearbeitung von Fragestellungen die Datenmenge erhöht, die für das KI-Training benötigt wird. Zudem entstehen Synergien bei Querschnittsthemen wie der „Mensch-Roboter-Interaktion“. Roboter sollen unter realen Bedingungen mit Menschen interagieren und zunehmend komplexe Aufgaben in veränderlichen Umgebungen übernehmen – etwa in unterschiedlichen Räumen mit unterschiedlicher Möblierung. Sie lernen, auch Aufgaben zu bewältigen, die nicht vorhersehbar sind, also nicht vorab exakt programmiert werden. Die Ergebnisse können standortübergreifend genutzt werden.

KIRO.NRW ergänzt die Maßnahmen, die der Bund als „KI-Robotik-Booster“ im Rahmen der Hightech Agenda Deutschland (HTAD) angestoßen hat. Durch die Vernetzung der Forscherinnen und Forscher sind bereits neue Kooperationen entstanden, die zum Beispiel bei der HTAD-Ausschreibung des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt für so genannte „Robo-Hubs“ gemeinsam ins Rennen gegangen sind. Robo-Hubs sind groß angelegte, themenzentrierte Transferzentren, die als praxisnahe Brücken zwischen Wissenschaft und Industrie fungieren und insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) den Zugang zu zukunftsweisenden Technologien ermöglichen sollen. Die fünf Bewerber-Teams aus Nordrhein-Westfalen oder mit NRW-Bezug haben alle eine Verbindung zu KIRO.NRW. Die Entscheidung über die Förderung der Robo-Hub-Konzepte wird der Bund Anfang Oktober bekannt geben.

Zukunftsinvestitionen für Hochschulen, Hochschulmedizin und Forschungseinrichtungen

Aus dem Nordrhein-Westfalen-Plan für gute Infrastruktur stehen insgesamt 2,3 Milliarden Euro für die Bereiche Hochschulen, Hochschulmedizin und Forschung zur Verfügung. Mit dem Geld werden Investitionen finanziert, die auf die großen Zukunftsthemen einzahlen und den Forschungs- und Wissenschaftsstandort Nordrhein-Westfalen nachhaltig stärken und nach vorne bringen: Künstliche Intelligenz, Digitalisierung, die Bekämpfung der großen Volkskrankheiten sowie Energieeffizienz und Nachhaltigkeit. Gefördert werden hochwirksame Investitionen, die maximale Wirkung entfalten können und deren Finanzierung aus dem laufenden Haushalt nicht vorgesehen war.

Hintergrund Nordrhein-Westfalen-Plan für gute Infrastruktur

Der Nordrhein-Westfalen-Plan für gute Infrastruktur ist das größte Infrastruktur- und Investitionsprogramm in der Geschichte des Landes. Über einen Zeitraum von zwölf Jahren stellt die Landesregierung rund 31,2 Milliarden Euro für Investitionen bereit. Davon entfallen rund 21,3 Milliarden Euro auf die Kommunen, während knapp 10 Milliarden Euro in die Infrastruktur des Landes investiert werden. Durch die zusätzliche Garantie der Höhe der Investitionspauschalen im Gemeindefinanzierungsgesetz können in Nordrhein-Westfalen innerhalb des Zeitraums von zwölf Jahren rund 60 Milliarden Euro in die Infrastruktur investiert werden. Zusätzlich entlastet das Land die Kommunen unter anderem durch eine anteilige Übernahme kommunaler Altschulden.

Insgesamt soll der Nordrhein-Westfalen-Plan dazu beitragen, bestehende Investitionsrückstände abzubauen, wichtige Infrastruktur zu modernisieren und neue Projekte schneller umzusetzen. Städte, Gemeinden und weitere Träger erhalten damit verlässliche Rahmenbedingungen, um zentrale Vorhaben vor Ort anzustoßen und Infrastruktur langfristig zu stärken.