Immaterielles Kulturerbe: Fünf weitere Traditionen ins Landesinventar aufgenommen

Von Brieftaubenwesen bis Bolzplatzkultur: Neuzugänge zeigen Vielfalt des immateriellen Kulturguts in Nordrhein-Westfalen

15.04.18

Das Land ermittelt und dokumentiert das kulturelle Erbe auf seinem Gebiet. Eine Jury hat jetzt fünf weitere Traditionen aus verschiedenen Regionen ausgewählt, die einen Eintrag im Landesinventar des immateriellen Kulturerbes erhalten. Die Neuaufnahmen reichen von mündlichen Traditionen über darstellende Künste und Bräuchen bis hin zu Wissen über Natur und das Universum und traditionellen Handwerkstechniken.

Die Landesjury für das Immaterielle Kulturerbe hat folgende fünf Traditionen aus 14 eingegangenen Bewerbungen empfohlen:

  • Martinstradition: Bei der Martinstradition handelt es sich um Bräuche mit Laternenumzug, Martinsliedern, Martinsfeuer, Darstellung der Mantelszene, Verteilung von Süßigkeiten an Kinder und der moralischen Botschaft zur Nächstenliebe.
  • Anlage und Pflege von Flechthecken: Das Flechten und die Erhaltung von lebenden Zäunen für land- und forstwirtschaftliche Zwecke sowie die besondere Technik des Knotens gehören zur Anlage und Pflege von Flechthecken.
  • Bolzplatzkultur: Eine jugendkulturelle Form der gesellschaftlichen Selbstorganisation, die ihren Ursprung in den städtischen Milieus der 1920iger Jahre hat.
  • Brieftaubenwesen: Es umfasst die Brieftaubenhaltung und Zucht sowie Wettbewerbe im Hinblick auf Distanzflug und Schönheit.
  • Haubergswirtschaft im Siegerland und in angrenzenden Regionen: eine nachhaltige gemeinschaftliche Form der Waldbewirtschaftung, die seit Jahrhunderten im Siegerland ausgeübt wird.

Rheinischer Karneval, Schützenwesen, Flussfischerei an Rhein und
Sieg, das Bochumer Maiabendfest und der Osterräderlauf in Lügde sind
bereits im Landesinventar eingetragen.

Das Landesinventar wurde eingerichtet, um die Sichtbarkeit der kulturellen
Vielfalt zu verbessern und nicht zuletzt dadurch auch das ehrenamtliche
Engagement der Bevölkerung im Land zu stärken.

Die Bewerbungen verweisen sowohl auf das Zusammenleben der Menschen
des Landes als auch auf den Kulturtransfer mit angrenzenden
Regionen und europaweiten Verbindungen. Den Bräuchen und immateriellen
kulturellen Phänomenen soll durch die Eintragung eine stärkere
Aufmerksamkeit zukommen.

Das Land Nordrhein-Westfalen nominiert des Weiteren folgende kulturelle
Ausdrucksformen für das bundesweite Verzeichnis des immateriellen
Kulturerbes:

  • Anlage und Pflege von Flechthecken,
  • Brieftaubenwesen,
  • Haubergswirtschaft im Siegerland und in angrenzenden Regionen,
  • Osterräderlauf in Lügde,
  • Wissen über die Bedeutung, Herkunft und Ausbreitung des Stellenwertsystems und Ziffernrechnens.

Hintergrund der Anfertigung der Verzeichnisse auf Landes- und auf
Bundesebene ist die Umsetzung des UNESCO-Übereinkommens zur
Erhaltung des immateriellen Kulturerbes, dem die Bundesrepublik
Deutschland 2013 beigetreten ist.