Kulturministerin Ina Brandes: Wir können Unrecht nicht ungeschehen machen, aber wir müssen dafür heute Verantwortung übernehmen
Das Förderprogramm „Provenienzen NRW“ geht 2026 in die dritte Förderrunde. Das Land Nordrhein-Westfalen unterstützt 14 Museen, Archive und Bibliotheken bei Projekten der Herkunftsforschung. Dafür stellt das Ministerium für Kultur und Wissenschaft rund 290.000 Euro zur Verfügung. Eine Fachjury hatte die Projekte ausgewählt.
„Wir können Unrecht nicht ungeschehen machen, aber wir müssen dafür heute Verantwortung übernehmen. Deshalb unterstützen wir die Herkunftsforschung in Nordrhein-Westfalen im Kulturgesetzbuch, mit der bundesweit einzigartigen Koordinationsstelle für Provenienzforschung und dem Förderprogramm ‚Provenienzen NRW‘. So leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung historischen Unrechts in Museen, Archiven und Bibliotheken im ganzen Land.“
Dank der Landesförderung können in neun Museen, vier Bibliotheken und einem Archiv neue Forschungsprojekte angestoßen oder weiter unterstützt werden.
Zu den geförderten Museen gehört zum Beispiel das Kunstmuseum Gelsenkirchen, das die Provenienz seines Bestands erstmals systematisch erforschen wird. Andere Häuser, wie das Kreismuseum Wewelsburg, erfahren finanzielle Unterstützung für ein geplantes Forschungsprojekt beim Deutschen Zentrum Kulturgutverluste (DZK). So soll im Museum Wewelsburg in der ehemaligen Schausammlung der „SS-Schule Haus Wewelsburg“ NS-Raubgut identifiziert werden. Darüber hinaus werden auch Projekte gefördert, die Ergebnisse bereits abgeschlossener Forschungen aufarbeiten und der Öffentlichkeit zugänglich machen, etwa im Städtischen Museum Abteiberg Mönchengladbach.
In den bisherigen drei Förderrunden hat das Land Nordrhein-Westfalen insgesamt 43 Vorhaben mit nahezu 800.000 Euro gefördert. Das Landesförderprogramm „Provenienzen NRW“ ergänzt die Fördermöglichkeiten auf Bundesebene des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste (DZK).
Prof. Dr. Meike Hopp, Vorständin Deutsches Zentrum Kulturgutverluste: „Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste begrüßt die Initiative des Landes Nordrhein-Westfalen, die dortige Provenienzforschung durch gezielte Förderangebote weiter zu stärken. Anschubfinanzierungen und Förderanteile können Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen dabei unterstützen, größere Forschungsvorhaben vorzubereiten. Das DZK begleitet entsprechende Vorhaben in Umsetzung seines satzungsgemäßen Auftrags und im Rahmen seiner Förderrichtlinien auf Bundesebene.“
Im Vorfeld der Förderrunden hat die Koordinationsstelle für Provenienzforschung in Nordrhein-Westfalen (KPF.NRW) die Einrichtungen beraten. Diese fachliche Beratung ist Voraussetzung, um einen Antrag zu stellen. Die KPF.NRW ist die zentrale Servicestelle zum Thema Herkunftsforschung, die vom Land Nordrhein-Westfalen und den beiden Landschaftsverbänden Rheinland und Westfalen-Lippe getragen wird. Sie berät, vernetzt und unterstützt Museen, Bibliotheken und Archive rund um die Provenienzforschung in all ihren Kontexten. Zugleich ist sie Ansprechpartnerin auch für den Kunsthandel und Privatpersonen.
Jasmin Hartmann, Leiterin der KPF.NRW: „Provenienzforschung lebt von individueller, vertrauensvoller Beratung und einer Vernetzung aller Beteiligten auf Augenhöhe. Als zentrale Anlaufstelle bündeln wir offene Fragen und erkennen konkrete Bedarfe in Einrichtungen. Unsere Arbeit soll langfristig auch methodisch neue Wege bei der Identifizierung von Raubgut eröffnen. Ziel ist es, Wissen systematisch aufzubereiten und zugänglich zu machen, um Forschung sowie faire und gerechte Lösungen bestmöglich zu unterstützen.“
Am Mittwoch, 8. April 2026, beteiligen sich zahlreiche Museen in Nordrhein-Westfalen am Internationalen Tag der Provenienzforschung. Der Tag wurde 2019 vom Arbeitskreis Provenienzforschung ins Leben gerufen. An jedem zweiten Mittwoch im April bieten Museen und Kulturorte Vorträge und Führungen vor Ort und digital. Eine Übersicht über alle Veranstaltungen findet sich hier.
Im Überblick Die geförderten Projekte im Programm „Provenienzen NRW“ 2026:
Aachen
Kunsthaus NRW: Vorbereitung eines DZK-Antrages und Quantifizierung und Qualifizierung
Bonn
- Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung e. V.: Provenienzforschung im ‚Gründungsbestand‘ der Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung – Identifikation und Dokumentation von NS-Raubgut
- Kunsthistorisches Institut der Universität Bonn: Untersuchung der Zugänge der Bibliothek in den Jahren 1933 bis 1949
Büren
Kreismuseum Wewelsburg: NS-Raubgut aus der ehemaligen Schau-Sammlung der „SS-Schule Haus Wewelsburg“
Detmold
Lippische Landesbibliothek: Prüfung der Bestandszugänge 1933–1945 auf NS-verfolgungsbedingten Entzug
Duisburg
Landesarchiv NRW: Digitalisierung von zwei Beständen zur Provenienzforschung
Düsseldorf
Universitäts- und Landesbibliothek: Die Ära Dr. Hermann Reuter (1928–1950)
Essen
Stiftung Ruhr Museum Essen: Erforschung und Aufarbeitung der Ethnologischen Sammlung
Gelsenkirchen
Kunstmuseum: Vorbereitungen einer systematischen Provenienzforschung
Hagen
Stadtmuseum Hagen: Provenienzforschung im „Altbestand“ aus dem Haus der Heimat
Köln
Stadtmuseum: Systematische Provenienzforschung der zwischen 1933 und 1945 zugegangenen Bibliotheksbestände
Mönchengladbach
Städtisches Museum Abteiberg: Digitale Veröffentlichung und Vermittlung von Ergebnissen eines DZK-geförderten Provenienzforschungsprojekts
Mülheim an der Ruhr
Kunstmuseum: Untersuchung der Städtischen Sammlung nach 1945
Recklinghausen
Kunsthalle: Wie steht es um die Kunst im Bunker? Eine erste systematische Provenienzforschung der Sammlung