Der Bund und das Land Nordrhein-Westfalen fördern das Center for Innovation with Nature (CEIN) mit rund 133 Millionen Euro
Es sind die großen Zukunftsfragen, mit denen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ebenso wie interessierte Bürgerinnen und Bürger im neuen Center for Innovation with Nature (CEIN) in Erftstadt-Liblar beschäftigen werden. Unter Federführung der Technischen Hochschule Köln entsteht im Rheinischen Revier ein Zentrum für Klimaforschung mit dem Anspruch, neue wissenschaftliche Erkenntnisse möglichst schnell in die praktische Anwendung zu bringen. Wissenschaftsministerin Ina Brandes hat am Montag, 2. November 2026, den Förderbescheid über rund 133 Millionen Euro für das CEIN an die TH Köln übergeben. Gefördert wird das Projekt im Rahmen des „Investitionsgesetzes Kohleregionen“ gemeinsam durch den Bund und das Land Nordrhein-Westfalen.
„Wo einst die Kohle den Wohlstand der Menschen sicherte, entsteht jetzt mit dem Rohstoff Wissen eine europäische Modellregion für Energieversorgung und Klimaschutz. Das Rheinische Revier ist das perfekte Umfeld für CEIN – ein Zentrum der Klimaforschung, eine Schmiede für neue Ideen und ein Beschleuniger für den Transfer, um aus wissenschaftlichen Erkenntnissen neue Produkte zu entwickeln und daraus Wertschöpfung zu erzielen. Diesem Dreiklang verdanken wir gute Arbeit, Wohlstand und soziale Sicherheit. Von CEIN profitieren der Wissenschaftsstandort ebenso wie die Menschen aus dem Rheinischen Revier, die eingeladen sind, mit ihren klugen Ideen und ihrer Alltagserfahrung zum Erfolg des CEIN beizutragen.“
„Hitze, Dürre und Niedrigwasser am Rhein haben gezeigt: Die Klimakrise ist längst in unserem Alltag angekommen. In Erftstadt wissen die Menschen das seit der Flut 2021 besonders gut. Genau hier wird künftig erforscht, wie Häuser, Straßen und Städte Starkregen und Hitze standhalten. Wer wissen will, wie wir uns gegen die Folgen der Klimakrise wappnen, muss ins Rheinische Revier kommen. Das ist Strukturwandel vor der eigenen Haustür.“
Prof. Dr. Sylvia Heuchemer, Präsidentin der TH Köln: „Der Strukturwandel in Braunkohlegebieten wie dem Rheinischen Revier ist eine Jahrhundertaufgabe – und eine große Chance. Mit dem CEIN möchten wir einen Ort schaffen, an dem Wissenschaft und Gesellschaft diese Chance gemeinsam nutzen: In interdisziplinären Projekten bringen wir Partnerinnen und Partner aus allen gesellschaftlichen Bereichen zusammen, um nachhaltige Konzepte für die Region auszuarbeiten.“
Carolin Weitzel, Bürgermeisterin von Erftstadt: „Das CEIN bildet den Auftakt für die Entwicklung eines neuen Stadt- und Landschaftsraums, in dem Wissenschaft, Arbeiten, Wohnen, Mobilität, Natur und Naherholung miteinander verknüpft werden. Mit dem Forschungszentrum entstehen Perspektiven für den angrenzenden Innovationspark, neue Wohnangebote, eine verbesserte Anbindung an den Bahnhof und die Weiterentwicklung der umliegenden Freiräume. Die Campuslandschaft soll kein abgeschlossener Studienort werden, sondern ein offener, lebendiger Raum, von dem auch die Bürgerinnen und Bürger Erftstadts profitieren. Erftstadt entwickelt das größte, identitätsstiftende Einzelprojekt ihrer Geschichte.“
Frank Rock, Landrat im Rhein-Erft-Kreis: „Der Strukturwandel muss den Menschen im Rhein-Erft-Kreis neue Perspektiven eröffnen. Mit dem CEIN schaffen wir dafür eine wichtige Grundlage: Hier sollen Lösungen entstehen, die unseren Städten bei der Anpassung an den Klimawandel helfen und unseren Unternehmen neue Möglichkeiten eröffnen. Wir haben die Entwicklung gemeinsam mit der Stadt Erftstadt und der TH Köln eng begleitet. Die Förderzusage gibt uns jetzt die Möglichkeit, diese Pläne in die Tat umzusetzen. Unser Ziel ist, dass aus der Forschung in Erftstadt neue Geschäftsideen und qualifizierte Arbeitsplätze für die gesamte Region entstehen.“
Das CEIN entsteht auf einer rund 27.700 Quadratmeter großen Fläche in Erftstadt-Liblar. Das geplante Gebäude steht für den hohen Anspruch des Reallabors. Es soll klimapositiv in nachhaltiger Bauweise mit Materialien wie Holz, Naturstein und Ziegeln errichtet werden. Für die Energieversorgung sollen Windkraft, Sonne und Biomasse genutzt werden. Die Konstruktion, Materialien und technische Lösungen sollen am Gebäude erprobt und als Beispiele für eine zukunftsgerichtete Bauweise sichtbar gemacht werden. Es ist zudem geplant, dass auf dem Außengelände die Auswirkungen von Extremwetterlagen etwa Überschwemmungen simuliert und erforscht werden können. Die Forschungs- und Arbeitsräume des Gebäudes sollen flexibel nutzbar werden. Außerdem wird es Flächen für Experimente und Veranstaltungen geben.
Ein Schwerpunkt des Reallabors CEIN werden Ausgründungen sein, um aus den wissenschaftlichen Erkenntnissen schnell marktfähige Produkte zu entwickeln. Dazu hat die Fakultät für Raumentwicklung und Infrastruktursysteme der TH Köln zuletzt neue Studiengänge aufgebaut, die vom CEIN ebenfalls profitieren werden. Studentinnen und Studenten des Bachelorstudiengangs „Raumentwicklung und Infrastruktursysteme“ sowie der Masterstudiengänge „Integrated Water Resources Management“, „Natural Resources Management“ und „Renewable Energy Management“ sollen an dem Reallabor künftig die Möglichkeit bekommen, zu forschen und ihre Ideen unternehmerisch zu verwerten. Allen Studentinnen und Studenten wird deshalb auch eine unternehmerische Qualifikation und Unterstützung bei der Gründung von Start-ups angeboten.
Zentral für den Erfolg von CEIN werden auch sogenannte Citizen-Science-Projekte (wissenschaftliche Studien mit Beteiligung interessierter Laien) sein. Die Menschen im Rheinischen Revier sind also alle eingeladen, ihre Fragen, ihr Wissen und ihre Alltagserfahrungen in die wissenschaftliche Arbeit einzubringen.
Hintergrund
Der Bund, das Land und die EU unterstützen den Strukturwandel des Rheinischen Reviers mit mehr als 14,8 Milliarden Euro. Das Land flankiert die Förderung von EU und Bund mit eigenen Haushaltsmitteln. Bislang sind 1.165 Projekte mit einem Fördervolumen von rund 3,8 Milliarden Euro bewilligt.