KULTUR UND WISSENSCHAFT

IN NORDRHEIN-WESTFALEN

Schub für angewandte Forschung: Die ersten Forschungskollegs starten am Promotionskolleg NRW

14.10.2026

Land fördert Spezial-Teams im Promotionsnetzwerk

Das Promotionskolleg NRW (PK NRW), ein Netzwerk für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an nordrhein-westfälischen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften, wird verstärkt: Im Oktober 2026 nehmen die ersten beiden Forschungskollegs ihre Arbeit auf. Besonders forschungsstarke Professorinnen und Professoren arbeiten dort in kleinen Teams mit Doktorandinnen und Doktoranden in themenbezogenen Forschungsgruppen zusammen. Das erste Kolleg forscht zu resilienten Rohstoffen und verbesserten Raffinerieprozessen für Chemikalien. Das zweite widmet sich der Modernisierung und der beruflichen Weiterentwicklung von medizinischem Personal bei der Behandlung schwerer oder komplexer Erkrankungen.

In den kommenden Jahren können bis zu sechs weitere Forschungskollegs hinzukommen. Das nächste soll Anfang 2027 starten. Bis 2035 unterstützt das Land sie mit insgesamt rund 22 Millionen Euro. Die Professorinnen und Professoren werden für ihre Arbeit im Kolleg von Lehrverpflichtungen entlastet. Die Doktorandinnen und Doktoranden werden strukturell und thematisch so ins Forschungskolleg eingebunden, dass sie ihre Dissertation zügig abschließen können.


Ministerin Ina Brandes MdL sitzend vor einer Pressewand

„An unseren nordrhein-westfälischen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften konzentriert sich die Forschung auf besonders praxis- und gesellschaftsrelevante Themen, etwa die Fachkräfteausbildung in medizinischen Berufen oder die Rohstoffnutzung. Mit den Forschungskollegs setzt das Land ein klares Zeichen für die Stärkung der angewandten Forschung und unterstützt die strukturierte Promotion am PK NRW. Dort finden ambitionierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und der Forschungsnachwuchs optimale Bedingungen, um gesellschaftsrelevante Themen schnell und erfolgreich zu bearbeiten. Ich wünsche den ersten beiden Forschungskollegs einen sehr guten Start!“

Wissenschaftsministerin Ina Brandes

Prof. Dr. Eike Quilling, Vorsitzende des PK NRW: „Mit den PK Forschungskollegs schaffen wir Raum für innovative Forschung und stärken die fächer- und hochschulübergreifende Vernetzung. Gleichzeitig fördern wir gezielt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in verschiedenen Karrierephasen und die Entwicklung neuer Forschungsschwerpunkte.“

Die ersten beiden Forschungskollegs

REFORM – Resiliente biogene Rohstoffe und risikoreduzierte Raffinerieprozesse für Chemikalien und Treibstoffe | Abteilung Ressourcen und Nachhaltigkeit

Im Forschungskolleg arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter der Leitung von Prof. Dr. Yulia Monakhova (FH Aachen) gemeinsam an neuen Verfahren, um Rohstoffe, etwa aus Holz- und Pflanzenresten, effizienter zu verarbeiten. Ziel ist, den Energie- und Chemikalieneinsatz bei der industriellen Verarbeitung zu reduzieren und energieoptimierte Prozesse für zukünftige Bioraffinerien zu entwickeln. Damit leistet das Vorhaben einen Beitrag zur Transformation der chemischen Industrie und zur Entwicklung einer nachhaltigen Bioökonomie in Nordrhein-Westfalen.

Neben der FH Aachen (Prof. Monakhova, Prof. Tippkötter) und der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (Prof. Schulze, Prof. Williams) sind die Hochschule Niederrhein sowie weitere Partner aus Industrie und Praxis beteiligt.


IMPACT HEALTH – Interprofessional Modernization & Professional Advancement in Complex Treatment - Health | Abteilung Soziales und Gesundheit

Im Forschungskolleg widmen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Pflege-, Hebammen- und Therapiewissenschaften der Hochschule Bochum unter der Leitung von Prof. Dr. Daniela Holle der Weiterentwicklung beruflicher Rollen im Gesundheitswesen. Durch die Einbindung von Praxis und Politik sollen neue Erkenntnisse für eine qualitativ hochwertige und zukunftsfähige Gesundheitsversorgung gewonnen und in die Praxis übertragen werden. Das Vorhaben leistet einen Beitrag zur Professionalisierung der Gesundheitsfachberufe, die auf Masterniveau ausgebildet sind, und damit zur Weiterentwicklung des Gesundheitssystems in Nordrhein-Westfalen.

Beteiligt sind neben der Hochschule Bochum die Hochschule Bielefeld (Prof. Dr. Änne Dörte Latteck), die FH Münster (Prof. Christiane Knecht, PhD) und die EvH Bochum (Prof. Dr. Karin Tiesmeyer).

Hintergrund

Am 17. November 2022 hatte das Ministerium für Kultur und Wissenschaft in Nordrhein-Westfalen auf Empfehlung des Wissenschaftsrates dem Promotionskolleg NRW (PK NRW) das eigenständige Promotionsrecht verliehen. Bis dahin mussten sich Absolventinnen und -Absolventen einer Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) einen Doktorvater oder eine Doktormutter an einer Universität suchen, welche die Betreuung der Promotion übernahm und den Titel verlieh. Das PK NRW bietet Absolventinnen und Absolventen von HAW und Universitäten nun die Möglichkeit, eine Promotion auch ohne Universitätskooperation abzuschließen. Bislang wurden bereits 19 Promotionen erreicht.

Das PK NRW wird von 20 Hochschulen für Angewandte Wissenschaften aus allen Regionen Nordrhein-Westfalens getragen. Es ist in acht thematische Abteilungen gegliedert. Als zentrale Organisationseinheit ermöglicht es eigenständige Promotionsverfahren und die Verleihung des Doktorgrads. Die Doktorandinnen und Doktoranden werden dabei in strukturierten Programmen zur Promotion geführt und von einem Team aus mehreren Hochschullehrenden betreut. Das PK NRW wird mit bis zu 2,4 Millionen Euro jährlich vom Land gefördert.