Würdigung exzellenter Forschung mit Geschlechterbezug
Mit dem Rita Süssmuth-Forschungspreis würdigt und unterstützt das Land Nordrhein-Westfalen Forscherinnen und Forscher unterschiedlicher Disziplinen, deren Arbeit mit Geschlechterbezug einen wesentlichen Beitrag zum Verständnis des jeweiligen Fachgebietes oder gesellschaftlicher Zusammenhänge geleistet hat. Der Preis wird in zwei Kategorien vergeben. In der Kategorie „Forschung plus“ wird der mit 70.000 Euro dotierte Preis an eine Forschungspersönlichkeit vergeben, die eine Professur an einer nordrhein-westfälischen Hochschule innehat bzw. dort nach einer Habilitation tätig ist. In der mit 35.000 Euro dotierten Kategorie „Impulse“ richtet sich die Ausschreibung an promovierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einer Hochschule in NRW.
Die Preisgelder sollen zur Fortsetzung der Forschungsarbeit eingesetzt werden und sind auch dafür bestimmt, wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern. Der Preis verknüpft somit die Förderung innovativer Forschung mit der Unterstützung des wissenschaftlichen Nachwuchses.
Der Rita Süssmuth-Forschungspreis des Landes Nordrhein-Westfalen wird im Turnus von zwei Jahren durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft und als Nachfolge des „Genderforschungspreises“ verliehen. Das Wirken der Namensgeberin charakterisierte sich unter anderem dadurch, dass sie ihre unterschiedlichen beruflichen Stationen in Wissenschaft und Politik mit einem großen Engagement für die Rechte von Frauen verbunden hat. Mehr dazu in der Sektion „Hintergrund“.
Rückblick: Verleihung des Rita Süssmuth-Forschungspreises am 22. Juni 2026
Die feierliche Preisverleihung des Rita Süssmuth-Forschungspreises 2026 fand am 22. Juni 2026 in den Räumlichkeiten der Bezirksregierung Düsseldorf statt. In der Kategorie „Forschung plus“ wurde Prof. Dr. Ulrike Krause, Politikwissenschaftlerin an der Universität Münster, ausgezeichnet. Dr. Annika Klanke, Literaturwissenschaftlerin und Linguistin an der Universität Bielefeld, erhielt den Forschungspreis in der Kategorie „Impulse“.
Wissenschaftsministerin Ina Brandes überreichte die Auszeichnungen und würdigte zugleich das Lebenswerk der im Februar 2026 verstorbenen Namensgeberin Prof. Dr. Rita Süssmuth. Die Preisverleihung stand damit erstmals im Zeichen des Andenkens an die bedeutende Politikerin, die auch die Geschlechterforschung in Deutschland maßgeblich geprägt hat.
Dr. Annika Klanke überzeugte die Jury mit ihrer Arbeit „Das Private ist nach wie vor politisch? Erfahrung und Geschlecht in der feministischen Essayistik der Gegenwart“. Darin untersucht sie die Bedeutung persönlicher Erfahrungen in feministischen Essays und die Weiterentwicklung des Slogans „Das Private ist politisch“ seit den 1970er Jahren. Prof. Dr. Ulrike Krause wurde für ihre langjährige Forschung zu Geschlecht und Geschlechterverhältnissen im Kontext von Flucht, Konflikt, Gewalt und humanitärer Politik ausgezeichnet. Ihre Arbeiten beleuchten unter anderem die Auswirkungen globaler Schutzpolitiken auf Geflüchtete sowie die spezifischen Erfahrungen von Frauen und queeren Menschen auf der Flucht.
Im Auswahlprozess wurden die eingereichten Anträge von einer unabhängigen Jury begutachtet, deren Mitglieder an Hochschulen außerhalb Nordrhein-Westfalens tätig sind. Die Pressemitteilung zur Preisverleihung finden Sie hier.
Gruppenbild der Preisträgerinnen 2026
Hintergrund Rita Süssmuth: Eine Pionierin der Frauen- und Gleichstellungspolitik
Rita Süssmuth war eine der prägenden Persönlichkeiten in der bundesdeutschen Frauen- und Gleichstellungspolitik. Nach dem Studium der Romanistik, Geschichte, Pädagogik, Psychologie und Soziologie promovierte sie und begann ihre Karriere als Professorin für Erziehungswissenschaft. Von 1982 bis 1985 war sie zudem Direktorin des Forschungsinstituts „Frau und Gesellschaft“ in Hannover. Schon während ihrer akademischen Laufbahn setzte sie sich intensiv mit Themen wie Familienpolitik, Bildungsungleichheiten und der gesellschaftlichen Stellung von Frauen auseinander.
1985 wurde Rita Süssmuth zur Bundesministerin für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit ernannt. In diesem Amt engagierte sie sich nachdrücklich für die Verbesserung der rechtlichen und sozialen Situation von Frauen und für eine an Forschungserkenntnissen ausgerichtete Gesundheitspolitik. Innerhalb ihrer Partei, der CDU, galt sie als profilierte Stimme für eine moderne Frauenpolitik.
Von 1988 bis 1998 bekleidete sie das Amt der Präsidentin des Deutschen Bundestages. Auch in dieser Zeit und nach dem Ende ihrer politischen Karriere blieb sie eine Brückenfigur zwischen akademischer Frauen- und Geschlechterforschung und praktischer Gleichstellungspolitik.
Rita Süssmuth verstarb am 1. Februar 2026 im Alter von 88 Jahren in Neuss.
Historie Genderforschungspreis
Das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen schrieb 2019 den Wissenschaftspreis für exzellente Genderforschung aus. Dieser Preis richtete sich an Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler aus dem Bereich der Genderforschung.
Die Preisverleihung für den ersten Genderforschungspreis fand am 15. Januar 2020 statt. Die Preisträgerinnen waren Dr. Anna Sieben und Dr. Heike Mauer. Die Pressemitteilung zur Preisverleihung finden Sie hier.
Der Genderforschungspreis wurde 2021 durch den Rita Süssmuth-Forschungspreis mit neuer Schwerpunktsetzung und geänderten Preiskategorien ersetzt.
- Die Preisverleihung für den ersten Rita Süssmuth-Forschungspreis fand am 10. Februar 2022 statt. In der Kategorie „Forschung Plus“ wurde Reinhild Kreis, Professorin für Geschichte der Gegenwart an der Universität Siegen, ausgezeichnet. Dr. Barbara Umrath, Soziologin an der Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften der Technischen Hochschule Köln, erhielt den Forschungspreis in der Kategorie „Impulse“. Die Pressemitteilung zu dieser Preisverleihung finden Sie hier.
- Der Rita Süssmuth-Forschungspreis 2024 wurde am 30. Oktober 2024 verliehen. In der Kategorie „Forschung Plus“ wurde Céline Miani, Professorin für Sozial- und Gender-Epidemiologie an der Universität Bielefeld, ausgezeichnet. Dr. Jara Streuer, Rechtswissenschaftlerin an der Universität Münster, erhielt den Forschungspreis in der Kategorie „Impulse“. Die Pressemitteilung zu dieser Preisverleihung finden Sie hier.
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