Logo des Landesinventars NRW

Immaterielles Kulturerbe

Das Ministerium für Kultur und Wissenschaft beteiligt sich an der Umsetzung der UNESCO-Konvention zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes. Gruppen und Gemeinschaften, die lebendige Traditionen ausüben und kreativ weitergeben, können sich um die Aufnahme in die Kulturerbe-Verzeichnisse bewerben.

UNESCO-Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes Ministerium koordiniert und begleitet Bewerbungs- und Auswahlverfahren

Bräuche, Handwerkstechniken, Wissen in Bezug auf die Natur und das Universum, darstellende Künste und mündliche Ausdrucksweisen prägen neben vielen anderen Kulturformen das Land Nordrhein-Westfalen. 

Die UNESCO hat die große Bedeutung solcher lebendiger Traditionen mit dem Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes anerkannt, das im Juli 2013 in Deutschland in Kraft getreten ist. Mit dem Beitritt hat sich die Bundesrepublik verpflichtet, die immateriellen Kulturgüter auf ihrem Gebiet zu inventarisieren. Die Länder sind im Rahmen ihrer Kulturhoheit zunächst für die Bewerbungen zuständig. Infolgedessen können sich Gruppen und Gemeinschaften, die Träger kultureller Ausdrucksformen sind, in ihrem Bundesland um die Aufnahme in das „Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes“ bewerben. Nordrhein-Westfalen führt aufgrund der Vielfalt seines kulturellen Lebens zudem ein Landesinventar des immateriellen Kulturerbes. 

Bewerbungsverfahren Der Weg zur Anerkennung

Bewerbungsverfahren

In den Jahren 2013, 2015 und 2017 haben bereits Bewerbungsverfahren stattgefunden. Der aktuelle Bewerbungszeitraum dauert vom 1. April bis zum 30. Oktober 2019.. Detaillierte Informationen zu den benötigten Bewerbungsunterlagen und den Anerkennungskriterien sind dem Merkblatt im Downloadbereich dieser Internetseite zu entnehmen. 

Im gesamten Prozess werden die Länder durch die Deutsche UNESCO-Kommission in Zusammenarbeit mit der Beauftragen der Bundesregierung für Kultur und Medien und dem Auswärtigen Amt unterstützt.

Auswahlverfahren

In Nordrhein-Westfalen kann eine unabhängige Landesjury lebendige Traditionen für das Landesinventar vorschlagen, die einen besonderen Bezug zu diesem Bundesland besitzen. Außerdem kann sie eine begrenzte Anzahl an Bewerbungen zur Weiterleitung an die Kultusministerkonferenz (KMK) empfehlen. Letztere übermittelt die Dossiers an ein nationales Expertenkomitee bei der Deutschen UNESCO-Kommission. Dessen Empfehlungen bestätigen zuletzt die KMK und die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien. Das „Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes“ ist auf der Internetseite der Deutschen UNESCO-Kommission einsehbar. Das Landesinventar von Nordrhein-Westfalen findet sich im unteren Bereich dieser Seite.

Landesstelle Immaterielles Kulturerbe

Das Ministerium für Kultur und Wissenschaft hat eine Landesstelle Immaterielles Kulturerbe an der Universität Paderborn eingerichtet, welche Interessierte informiert, berät und Bewerberinnen und Bewerber dabei unterstützt, qualifizierte Anträge auf Landes-, Bundes- und internationaler Ebene zu stellen.

Leitung:

Prof. Dr. Eva-Maria Seng
Universität Paderborn
Fakultät für Kulturwissenschaften
Lehrstuhl für Materielles und Immaterielles Kulturerbe
Landesstelle Immaterielles Kulturerbe NRW
Warburger Str. 100
33098 Paderborn

Tel.: 05251 60-5488
E-Mail: em-seng[at]mail.uni-paderborn.de

Ansprechpartnerin für Fragen zum Bewerbungs- und Auswahlverfahren:

  • Dr. Maria Harnack
    Tel.: 05251 60-5462
    E-Mail: mharnack[at]mail.uni-paderborn.de 

Inventar Immaterielles Kulturerbe von Nordrhein-Westfalen

Anlage und Pflege von Flechthecken

Bewerbende Institution: Heimatverein Nieheim e.V.

Das Flechten und die Erhaltung von lebenden Zäunen für land- und forstwirtschaftliche Zwecke sowie die besondere Technik des Knotens gehören zur Anlage und Pflege von Flechthecken.

Der gedrehte Weidenzweig einer Flechthecke.
© Heimatverein Nieheim e.V.
Bochumer Maiabendfest

Bewerbende Institution: Bochumer Maiabendgesellschaft 1388 e.V.

Das Bochumer Maiabendfest, das seit dem 18. Jahrhundert in Quellen fassbar ist, stellte ursprünglich einen lokalen Schützenbrauch dar. Heutzutage zählen ein „Brauchtumsabend“, ein ökumenischer Gottesdienst, Festumzüge, die Umsetzung einer Eiche und ein historischer Jahrmarkt zu den Bestandteilen der viertägigen Feier, die jährlich am letzten Wochenende im April stattfindet. Die Jury hebt die Lebendigkeit der Tradition hervor, die sich durch stetige Anpassung an aktuelle Gegebenheiten erhalten hat und Aspekte von Junggesellen-, Mai- und Schützenbräuchen vereint.

Vier Männer in Uniform, einer wirft Münzen in die Höhe.
© Sparkasse Bochum
Bolzplatzkultur

Bewerbende Institution: DFB-Stiftung Deutsches Fußballmuseum gGmbH

Die Bolzplatzkultur ist eine jugendkulturelle Form der gesellschaftlichen Selbstorganisation, die ihren Ursprung in den städtischen Milieus der 1920er-Jahre hat.

Zwei Jungen spielen Fußball auf einem Bolzplatz.
© Dirk Krüll
Brieftaubenwesen

Bewerbende Institution: Verband Deutscher Brieftaubenzüchter e.V.

Behandlung einer Brieftaube in der Taubenklinik in Essen
© Verband Deutscher Brieftaubenzüchter e.V.
Haubergswirtschaft im Siegerland und in angrenzenden Regionen

Bewerbende Institution: Waldbauernverband NRW e.V.

Die Haubergswirtschaft ist eine nachhaltige gemeinschaftliche Form der Waldbewirtschaftung, die seit Jahrhunderten im Siegerland ausgeübt wird.

Vier Männer in einem Wald trennen einen Bereich mit Seilen ab.
© Heidemarie Kraft
Martinstradition

Bewerbende Institution: René H.R. Bongartz und Jeyaratnam Caniceus für die Sankt-Martins-Vereine im Verbreitungsgebiet

Bei der Martinstradition handelt es sich um Bräuche mit Laternenumzug, Martinsliedern, Martinsfeuer, Darstellung der Mantelszene, Verteilung von Süßigkeiten an Kinder und der moralischen Botschaft zur Nächstenliebe.

Spielszene: Am großen Feuer wartet der arme Mann auf den Sankt Martin.
© Ralph Braun
Osterräderlauf in Lügde

Bewerbende Institution: Dechenverein Lügde e.V.

Der Osterräderlauf in Lügde ist eine bemerkenswerte Besonderheit unter den Osterfeuerritualen, die seit Generationen eine lokale Gemeinschaft rhythmisiert und prägt. Die Lebendigkeit dieser Tradition drückt sich in einer breiten, intergenerationellen Beteiligung der Bevölkerung der Stadt aus. Traditionelle handwerkliche und landwirtschaftliche Fertigkeiten werden für den Brauch gepflegt. Die Jury versteht ihre Empfehlung auch als Anstoß zu einer Verbesserung der Dokumentation und einer Aufarbeitung der Herkunft des Brauchs.

Die Jury geht davon aus, dass der Brauch jahrhundertealt ist und sich die Lügder Bürgerinnen und Bürger der Vereinnahmung durch die Nationalsozialisten widersetzt haben.

Ein Trecker auf einem Feld bei der Roggenstrohernte.
© Dechenverein Lügde e.V.
Rheinischer Karneval mit all seinen lokalen Varianten

Festkomitee des Kölner Karnevals von 1823 e.V., Festausschuss Bonner Karneval e.V., Comitee Düsseldorfer Carneval e.V. und FestAusschuss Aachener Karneval e.V.

Zweifellos gehört der rheinische Karneval zu den großen kulturellen Ausdrucksformen in Nordrhein-Westfalen. Er schafft seit langer Zeit alljährlich eine generationenübergreifende Gemeinschaft, die sich auf humorige Art mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen auseinandersetzt. Eine beachtliche Vielfalt von Spielarten macht ihn außerhalb der großen Karnevalshochburgen und ‑organisationen lebendig.

Der rheinische Karneval mit all seinen lokalen Varianten ist 2014 auch in das „Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes“ aufgenommen worden.

Szene aus dem rheinischen Karneval
© Jürgen Markus

 

Schützenwesen

Bewerbende Institution: Europäische Gemeinschaft Historischer Schützen

Das aus katholischen Bruderschaften entstandene Schützenwesen besitzt einen besonderen Schwerpunkt in Nordrhein-Westfalen. Als egalitäre Vereinigung prägen Schützen in vielen örtlichen Gemeinschaften das lokale kulturelle und soziale Leben ganzjährig auf vielfältige Weise und wirken dabei für viele Menschen integrierend und identitätsstiftend. Die Jury versteht ihre Empfehlung als Ermutigung für die Schützen, auf dem Weg der gleichberechtigten Einbeziehung von Frauen und von gesellschaftlichen Minderheiten in ihre Gemeinschaften weiter voranzuschreiten.

Das Schützenwesen wurde 2015 in das „Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes“ aufgenommen.

Ein Schützenaufmarsch
© EGS
Traditionelle Flussfischerei an der Mündung der Sieg in den Rhein

Bewerbende Institution: Fischerei-Bruderschaft zu Bergheim an der Sieg

Es handelt sich um eine beeindruckende über tausendjährige Tradition, die im Umgang mit Natur und Umwelt jeweils auf lebendige Weise neue Lösungen findet, insbesondere für einen nachhaltigen Umgang mit der natürlichen Ressource Fisch und für ein langfristiges Denken für die soziale Gemeinschaft. Die Jury versteht ihre Empfehlung als Ermutigung, die notwendigen Veränderungen zum weiteren Bestehen der Bruderschaft einzuleiten (Geschlechtergerechtigkeit und Integration neu Hinzugezogener).

Die traditionelle Flussfischerei an der Mündung der Sieg in den Rhein wurde 2016 in das „Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes“ aufgenommen.

Herstellung von Räucherfisch
© Linnartz

Sie haben Fragen? Ihr Kontakt im Ministerium

  • Dietrich Koska
    Tel.: 0211/896-4338
    E-Mail: dietrich.koska[at]mkw.nrw.de